Der Ort der Freiheit – Predigt zu Markus 10, 13-16 (Segnung der Kinder)

Diese Predigt habe ich im Hauptseminar Homiletik 2012 geschrieben und vor dem Seminar gehalten. Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich sie hier auch endlich auf dem Blog. Direkt vor der Predigt werden die Kinder in den Kindergottesdienst bzw. in den Krabbelgottesdienst eingeladen, dies geschieht durch Ansage des Pfarrers und das gemeinsame Lied der Gemeinde:

Komm geh mit mir
von Gott erzählen wollen wir
groß oder klein
Gott will bei uns sein

Das Lied wird so lange wiederholt, bis die Kinder das Kirchenschiff verlassen haben, darauf folgt unmittelbar die Predigt. (Ungefähr so, wie in meiner Beispielgemeinde, der Heilig-Geist-Kirche in Dresden.)


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Liebe Frau S.,

Lieber Herr Greifenstein,
bevor Sie den Bischof Rentzing ins Lächerliche ziehen, lesen Sie doch bitte erst einmal die Bibel. Man merkt deutlich, dass Sie selbst noch nicht einmal klar begriffen haben, was Gott will, sonst würden Sie sich nicht so äußern.

Teilweise wollen Sie alles tolerieren und bilden sich ein damit Gottes Willen zu erfüllen…und teilweise kritisieren Sie einen gottesfürchtigen Menschen, der klar Gottes Botschaft verkündet. Herr Rentzing liebt auch die Homosexuellen….als Menschen….nicht auf ihre Sexualität beschränkt, aber ich denke das genügt….denn so dumm können Sie ja nun wirklich nicht sein.

Also: bitte: lesen Sie die Bibel und beten Sie….bevor Sie ihre undurchdachte Meinung in die Welt raus schreien.
Viel Erfolg wünscht Barbara S.

Liebe Frau S.,
ich möchte Ihnen gerne auf Ihren Kommentar antworten, weil Sie hier Punkte vortragen, die ich so oder so ähnlich immer wieder höre. Deshalb:

1) Sie werfen mir vor, dass ich mich nur deshalb so äußere, weil ich nicht begriffen habe, was Gott will. Das stimmt, das habe ich nicht. Ich glaube auch, dass wir Menschen nie wirklich wissen können, was Gott wirklich will. Höchstens nähern wir uns dem Willen des Höchsten näherungsweise. Als unverschämt mir gegenüber (und anderen Christen auch) empfinde ich Christen, die im Brustton ihrer Überzeugung so tun, als ob sie den reinen Willen Gottes verkünden – da wäre mehr Demut angebracht. Wir alle stehen in der Gefahr, Gott als Garanten unserer je eigenen Überzeugungen ins Feld zu führen. Damit machen wir ihn nutzbar, zum Werkzeug unserer eigenen Interessen, und darum kleiner, als er eigentlich ist. (Mehr dazu habe ich hier geschrieben.)

2) Dass Bischof Rentzing sicher auch die Schwulen liebt, habe ich nicht bestritten. Er lehnt aber Homosexualität als unbiblisch – in seiner Logik daher auch als unchristlich – ab und spricht sich vehement gegen einen gleichberechtigten Zugang zum Amt und eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in seiner Landeskirche aus. Hier blitzt das lutherische (neu-testamentliche) Un-Verständnis von „Hasse die Sünde, liebe den Sünder“ wieder einmal auf. Nicht nur, dass ich Homosexualität für keine Sünde halte, die man verstecken oder verleugnen oder gar vor der Gemeinde zwecks Heilung bekennen müsste. Ich glaube auch, dass diese Unterscheidung von „Tat“ und „Person“ theologisch nicht haltbar ist. Sexualität ist ein wunderbarer Teil unseres Lebens und nicht einfach vom Rest unserer Person zu trennen.

Dazu kommt: Homosexualität ist – wie so vieles auch, was in den letzten Jahrhunderten als Sünde angesehen wurde – keine Entscheidung, sondern eine natürliche Veranlagung. Homosexualität ist somit Teil der Schöpfung Gottes, von der die Genesis sagt, dass sie „gut“ sei. Weil es sich bei der Homosexualität nicht um eine Entscheidung handelt, fällt sie gar nicht in den Bereich der Verfehlungen, die das Neue Testament im Blick hatte, wenn es – z.B. im Gleichnis vom verlorenen Sohn – von der Annahme des Abgeirrten spricht. Das „Lieben des Sünders“ hat aus der Perspektive der vergebenden Christen außerdem einen höchst arroganten Unterton (wie in diesem kurzen Buchausschnitt beschrieben): Es ist eben Gott der vergibt, die Gemeinde muss sich nicht zum Richter aufschwingen: Ob Du wirklich richtig stehst, siehst Du, wenn das Licht angeht!

3) Ich sollte häufiger die Bibel lesen und auch beten. Nicht nur als Student, sondern für das eigene Herz. Das stimmt wohl. Warum auch nicht? Ich will mich vor allem darin üben, in der Bibel nicht nur Bestätigungen meiner eigenen Meinung und Frömmigkeit zu suchen und zu finden. Heilig halten wir die Bibel dann, wenn wir uns von ihr herausfordern lassen, nicht wenn wir sie als Siegel unserer eigenen Meinung vor uns her tragen.

Gelegentlich schreie ich vor Zorn und Enttäuschung also in die Welt hinaus. Das ist schon ok. Ich möchte aber, diese Antwort sei nur ein kleines Beispiel davon, immer wieder in das Gespräch mit Andersdenkenden kommen – das verlangt von mir viel Geduld und Ausdauer. Alles hat seine Zeit, nicht wahr?

Are you lonely just like me? – Predigt am 16. August 2015 in Andenhausen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Unser Evangelium und Predigttext aus dem Lukasevangelium (Lukas 7, 36-50) erzählt uns eine wohlbekannte Geschichte. Die Geschichte der armen Sünderin, die zu Jesus kommt und von ihm angenommen wird. Wir erinnern uns an die Ehebrecherin, die vor Jesus gebracht wird, damit er sie verurteilt. Und daran wie er nur sagte „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ und sich auf den Boden setzte und im Sand herum malte. „Are you lonely just like me? – Predigt am 16. August 2015 in Andenhausen“ weiterlesen

Rezension – „Neues Testament. Zentrale Themen“ von Lukas Bormann (Hg.)

Was hat die Bibel uns noch zu sagen? Spielen das Alte und das Neue Testament für unsere Theologie überhaupt noch eine Rolle? Es ist doch wohl so: Auf der einen Seite des theologischen Spektrums tritt die Bibel – d.h. ihre Geschichten, ihr Drive, ihre Härten und Wunderlichkeiten – in den Hintergrund. Sie liefert nurmehr Stichwörter für eine Verkündigung, die sich nicht nur in der Sprache, – das ist notwendig – sondern auch dem Inhalt nach von ihr ganz weit entfernt hat.

Auf der anderen Seite der Theologie wird im Fahrwasser der dialektischen Theologie und unter dem Einfluß des Evangelikalismus die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Bibel auf dem Altar der Selbstgewissheit geopfert. Was dabei übrig bleibt an „biblischer Verkündigung“ mag dem Wortlaut dieser alten Schriften entsprechen, hat sich aber vielfach vom Geist des Gemeinten meilenweit entfernt. „Rezension – „Neues Testament. Zentrale Themen“ von Lukas Bormann (Hg.)“ weiterlesen