Bonhoeffer Nr. 2: (K)ein Heiliger

Auf theologiestudierende.de habe ich heute anlässlich des 70. Todestages Dietrich Bonhoeffers einen längeren Text geschrieben. Es geht darin vor allem um die Veränderungen im Bonhoeffer-Bild, die sich in den letzten Jahrzehnten ergeben haben, zwischen Verfemung, Verklärung und Vereinnahmung. Siebzig Jahre nach Bonhoeffers Tod ist der Kampf um sein Erbe nicht zu Ende, vielleicht gerade erst neu entbrannt.

Grafik: Max Melzer. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0
Grafik: Max Melzer. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0

Doch wäre es denn so schlimm, wenn vor allem dieser eine Satz, der mir wichtig geworden ist, in der ganzen Bonhoeffer-Verwirrung übrig bliebe: „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen.“ Oder das eine Gebet: „In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht“?

Nach deutlich mehr als siebzig Jahren ist es Zeit, Bonhoeffer weder zu verfemen, noch zu verklären, noch zu vereinnahmen. Wir brauchen Heilige nicht auf Grund dessen, was sie getan haben, sondern um zu lernen, wie sie es getan haben: In der Wendung zu denen, die keine Stimme, kein Obdach, kein Heil haben.

Bonhoeffer als Vorbild ergibt keinen Sinn, wenn es darum geht, einigen seiner Überzeugungen zu folgen, mögen sie uns noch so gut in unser je eigenes theologisches Konzept passen. Er taugt wohl als ein Vorbild – als Theologe und Christenmensch – wenn es um seine Haltung geht: sich nutzbar machen zu lassen für diejenigen, für die niemand sonst die Stimme erhebt, denen niemand sonst ein Zuhause schenkt, denen keiner Heil verkündet.

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