Zweifelhaft – Karfreitag

combinedDenke ich an Gott, so muss ich stöhnen.
Komme ich ins Grübeln,
so packt mich Verzweiflung.

Er hindert mich, die Augen zuzumachen;
ich bin verstört, kaum finde ich Worte.
Ich denke nach über frühere Zeiten,
ich erinnere mich an längst vergangene Jahre,
als mich beim Saitenspiel noch Freude erfüllte.

Die ganze Nacht verbringe ich mit Grübeln,
immer wieder bewegen dieselben Fragen mein Herz:
Hat der Herr uns für immer verstoßen?
Will er sich nicht mehr erbarmen?
Ist er nie wieder gut zu uns?
Gilt sein Versprechen in Zukunft nicht mehr?
Hat Gott vergessen, sich zu erbarmen?
Verschließt er im Zorn sein Herz?

Von Gottes Macht ist nichts zu sehen,
der Höchste tut nichts mehr für uns –
das ist es, was mich quält!

(aus Psalm 77)

Ein beeindruckender Text. Es fällt leicht sich vorzustellen, wie er gesungen, ja zum Himmel geschrieen wird. Und es sind ja die gleichen Gedanken, die wir uns machen. Der Zweifel an der Gegenwart Gottes, daran, dass es da wirklich noch etwas gibt, ist mir immer wieder gegenwärtig.

Als Jesus mit seinen Jüngern nach Jerusalem kommt – wo er nur Stunden später verraten, verurteilt und schließlich getötet werden sollte – schaut er auf die Stadt und sagt: „Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden bringt!“ Das ist es, was Jesus den Menschen sagt, die ihn später am Kreuz hängen sehen wollen, deren Begeisterung für diesen Wanderprediger aus dem Norden in Blindheit und Hass umschlagen wird.

Oft fällt es mir schwer zu erkennen, wo der richtige Weg liegt; wo der Frieden zu finden ist, den ich mir wünsche. Dann streite ich mich mit Gott, so wie es der Psalmbeter tat. Dann halte ich Gott alles vor, was mich ärgert und enttäuscht.

„Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort.“

Dieser Vers verweist auf ein neues Wort, eine neue Botschaft, die zu uns gelangt durch die Dunkelheit hindurch und die uns Frieden bringt. Es ist die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens und sie hat einen Namen: Jesus, der Christus.

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