Swag, Selfie & yolo – Wahl des Anglizismus des Jahres 2013

Seit 2010 suchen und finden Sprachinteressierte unter fachkundiger Anleitung mehrerer Sprachblogger den Anglizismus des Jahres. Federführend ist Anatol Stefanowitsch vom Sprachlog, der bekannteste Sprachblogger der Republik. Die ausgezeichneten Anglizismen haben allesamt „den Test der Zeit bestanden“ (=Phrasen-Anglizismus).

2010 leaken
2011 Shitstorm
2012 Crowdfunding

Dieses Jahr findet die vierte Wahl des Anglizismus des Jahres statt. Alles, was mehr als drei Mal stattfindet, ist ja eine Tradition. Mir gefällt die Wahl deshalb so gut, weil sie 1) von Fachkundigen begleitet wird und nicht von Wutbürgern und 2) positiv und kreativ mit den Veränderungen unserer Sprache umgeht und nicht ewig nörglerisch.

Unter den Nominierungen für dieses Jahr sind schon ein paar Perlen. Oben genannte selbstreferentielle Jugendausdrücke gehören dazu und werfen imho einen Blick in die bedenkliche (?) Gemütsverfassung unserer Jugend; yolo und Swag waren auch schon Jugendwort des Jahres. Wie gut, dass wir dafür Worte haben.

Meine drei Favoriten sind aber:

Filterbubble/Filterblase
Besonders nach der Bundestagswahl beklagten sich Internet-People darüber, dass ihre Message nicht rübergekommen sei. Als Begründung musste vielfach die Filterbubble herhalten, in der man sich wohl befände und daher nicht ganz richtig mitbekäme, was außerhalb so wichtig wäre und abgänge. Stimmt. Aber jeder Mensch hat eine Filterbubble, ohne die er wahrscheinlich überhaupt nicht auskommen würde. Wie kann man trotzdem im Gespräch über wichtige gesellschaftliche Anliegen bleiben?

ranten
Nach wie vor laufen im Netz die Aufreger besonders gut. Ob es um Blogartikel, Tweets oder Nachrichten geht, möglichst laut und krawallig haben sie zu sein. Anders kann ich mir z.B. den Online-Erfolg von bild.de nicht erklären. Auch auf diesem Blog haben die Rant-Artikel im Vergleich zu manch ruhigerem Text große Zugriffszahlen (z.B. ProChrist, die Schwulen und die Politik 970 Leser & Fundi-Alarm bei Jauch & Co. 440 Leser). Oftmals fallen in der Aufregung wichtige, ausgewogene Wortmeldungen unter den Tisch, klar jeder will ja was vom Aufmerksamkeitskuchen abhaben. Genauso wie Swag, Selfie & yolo etwas über unsere Jugend aussagen, so sagt ranten etwas über die Internet-People. Leider nichts ausgesprochen Gutes.

Hashtag
War letztes Jahr schon in der Endrunde. Dieses Jahr dank Twitter-Aufschwung für mich ein heißer Kandidat.

Mitmachen
Noch bis zum 24. November (nächsten Sonntag) könnt ihr hier mitmachen und eigene Vorschläge einreichen. Das weitere Vorgehen erklärt Anatol Stefanowitsch im Sprachlog.

Nachtrag:
Gerade erst gelesen: Selfie wurde von den Oxford Dictionaries zum Wort des Jahres gewählt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*