Fundi-Alarm bei Jauch & Co.

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Warum nur sitzen in den Talkshows der Republik bei religiösen oder gar kirchlichen Themen fast ausschließlich Hardliner, verhuschte Schweiger oder komplett Irre? Zu Fragen der Religion oder Kirchenpolitik werden mit Vorliebe Vertreter extremer Positionen eingeladen, warum? Und, kann man das bitte ändern?!

Es war im Sommer 2008 als ich das letzte Mal eine (vollständige) Sendung Menschen bei Maischberger sah. Eingeladen waren Kardinal Meisner und Gloria von Thurn und Taxis. Ich meine mich auch an einen besonders begeisterten jungen Katholiken von der Benedikt-Fanfront zu erinnern, der die Sendung weiterhin ausstaffieren durfte. Zu keinem Zeitpunkt widersprach in der Sendung jemand Frau Thurn und Taxis und dem Kardinal in ihrem amtskirch-charismatischen Höhenflug („Küss den Ring, Herr Kardinal!“, „Homosexualität ist Sünde“, etc.) – was einfach daran lag, dass kein einziger liberaler Christ, keine einzige aufgeklärte Christin in die Sendung eingeladen wurde!

Wie Talkshows funktionieren
Wie Malte Welding gut beschreibt, handeln viele Redaktionen schlicht nach der Überzeugung, dass jeder Standpunkt schon ok ist und eingenommen werden kann, und dass es daher am Besten sei, ein Thema durchzunehmen, indem man nur recht kontroverse und sich diametral widersprechende Gästemeinungen einlädt. Der Zuschauer, so das Kalkül, wird die Mitte der Vernunft schon selbst finden. Selbst dabei wird von den Redaktionen offensichtlich bejaht, das die Wahrheit immer in der Mitte zu liegen hat.

Auf diese Weise kommen zwangsläufig Extrempositioneure zu Wort, denen man im „realen“ Leben kaum Aufmerksamkeit schenkt. Oder wer hat in letzter Zeit eine Predigt von Kardinal Meisner gelesen, ein Buch von Arnulf Baring durchgebissen, Nina Hagen und Michael Schmidt-Salomon ernst genommen? Wer sind Broder und Matussek, dass sie in zahlreichen Sendungen mit einem Themenpotpourri von Islamkritik bis Sterbehilfe als „Experten“ auftreten? Fragen sich die Herren ab und zu, wer an ihrer statt etwas Substantielles hätte beitragen können? Wer sind die zahlreichen Papst-Verehrer, Pillendreher, Esoterik-Jünger und Bachblüten-Bader, dass ihnen vor größtmöglichem Publikum Zeit und Raum gegeben wird, sich zu produzieren?

Noch schlimmer – mit Verlaub – nur jene Zeitgenossen, die denken, aus ihrer persönlichen Erfahrung allgemeine Wahrheiten ableiten zu können. Warum nur können nicht religiöse Themen im TV mit ebenso viel Anstand durchdiskutiert werden, wie anderswo andere wissenschaftliche Themen? Wenn eine Schauspielerin tatsächlich als „Expertin“ gilt, weil sie in der Lage war, das Drehbuch ihres letzten Emo-Schinkens nicht nur auswendig zu lernen, sondern in Ansätzen zu verstehen, sollte es sich jeder anerkannte Experte verbitten, ihn in der Öffentlichkeit als solchen anzukündigen.

Es gibt in Deutschland mehr als genug vernunftbegabte und vernünftig denkende religiöse Menschen, einige davon sind Christen, einige davon kennen sich mit „der Kirche“ so gut aus oder nehmen in ihr Ämter ein, dass sie berechtigter Weise Auskunft geben können. Dass die Redaktionen nicht auf sie zurückkommen, liegt wohl hauptsächlich in ihrer Verweigerung guter Recherche, und in der Bequemlichkeit auf den Standard-Gäste-Pool zurückzugreifen, begründet.

Wie PR funktioniert
Ich möchte hier ausdrücklich nicht kirchlicher PR das Wort reden, aber:

Wer sich Medien nicht aufdrängt oder zumindest erreichbar ist, der braucht sich nicht wundern, wenn sein Themengebiet von Irren und Quacksalbern gekapert wird. Der braucht sich auch nicht ärgern, wenn ein kirchenpolitisches Thema – wie letzten Sonntag bei Jauch – so unter Wert diskutiert wird. „Dramatisch ist allerdings folgendes: Bei einem Thema “Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?” ist scheinbar niemand von kirchenleitender Seite willens oder in der Lage vernünftig Rede und Antwort zu stehen.“ schreibt Knut Dahl völlig richtig.

Im Blick auf die Talkshows im deutschen Fernsehen kann man als kirchenfremde, religiös indifferente Zeitgenossin nur den Eindruck gewinnen, dass es sich bei Gläubigen um geistig eingetrübte, intellektuell unbedarfte und emotional unausgeglichene Bedenkenträger handelt. Das wird so bleiben, solang Fundis jeglicher Couleur als Gäste den Vorzug erhalten.

PS:
In einer früheren Version des Textes wurde auch Bruder Paulus als ein Beispiel für den Gäste-Overflow genannt. Da er aber tatsächlich Ämter innerhalb der katholischen Kirche führt und nicht unbedingt zu den Fundis zu zählen ist, habe ich mich entschlossen, ihn herauszunehmen.

5 Kommentare

  1. Es ist doch ganz offensichtlich so, dass die Fundis da in der Kartei drinstecken und blasse Kirchenmänner und Frauen wie Schneider, Huber u.a. nicht eingeladen werden. Dann doch lieber die Käßmann!!

  2. das ist ja aber bei anderen Themen genauso (zB. Baring bei Anne Will), es sind halt immer wieder die gleichen Typen, die genommen werdenm weil man da weiß, dass die liefern 😉

    Kata 😉

    • genau darum geht es: der journalistische Ertrag wird der Unterhaltung absolut untergeordnet, von einer öffentlich-rechtlichen Redaktion erwarte ich mehr

      Gruß
      Philipp

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