Auf dem Radar: The Cathwalk

Ich habe ein Herz für Wortbildungen mit Theo-. Das habe ich mir aus der Fachschaftsratzeit erhalten. TheoLuxx, Theoball, Theochor, TheoQuali. Wie auch hinter Fabian Maysenhölders neuem Projekt Theoradar – einer Hitparade der Artikel, die in der christlichen Blogosphäre gelesen, diskutiert und vor allem geteilt werden – verbargen sich dahinter Menschen, Orte und Inhalte, die „geteilt“ werden wollten. Und es ist nichts Schlechtes dabei, wenn der eigene Blogartikel „viral“ geht und das Theoradar die wichtigen Themen der Online-Christen konzentriert darstellt. Danke, Fabian!

Seit gut zehn Tagen spähe ich also mit dem Theoradar in die Weiten der christlichen Blogosphäre (oder katholisch Blogoezese) hinaus. Ich sehe, dass einige Artikel der theologischen Feuilletonisten von feinschwarz.net offenbar nicht nur gelesen, sondern auch fleißig geteilt werden. Und, ja, unter den in diesen christlichen Blog-Charts aufgeführten Artikeln finde ich auch Artikel, die auf theologiestudierende.de erscheinen und/oder sogar von mir geschrieben wurden. 

Getoppt wird der publizistische Erfolg (hoi, hoi!) aller Bloggerinnen und Blogger allerdings vom Online-Magazin The Cathwalk. Nach eigenem Bekunden das „Onlinemagazin für katholische Lebensart“. Die Artikel, die sich vor allem mit Apologetik und Sex auseinandersetzen, werden auf Facebook fleißig herumgereicht. Dafür sorgen Listicles  und provokante Überschriften. Nichts Ehrenrühriges dabei.

Ein genauerer Blick in die Artikel allerdings fördert Erstaunliches zu Tage: Hinter der hippen Fassade verbirgt sich gut-abgehangener Kathokonservatismus, der in bemüht „jugendlicher“ Sprache und bekömmlichen Dosen verabreicht wird.

Am Wochenende z.B. trendete der Artikel „7 Vorurteile gegen den Zölibat“,  bei dem es sich schlicht um Populismus im eigentlichen Sinne handelt: Die Verkürzung komplizierter Sachverhalte mit dem Ziel, beim vermeintlichen Publikum auf Begeisterung zu stoßen.

Ein anderes Beispiel: Die Artikelreihe „Der Sexodus“ präsentiert in loser Reihenfolge nichts anderes als die von Rechtspopulisten und Rechtsextremen vorgetragenen Topoi: „Genderwahn“, Sexualisierung der Gesellschaft, Ablehnung von Homosexualität usw.. Auch dort wird man auf der Suche nach dem Niveau in den unteren Geschossen fündig:

„Weibliche und männliche Eigenschaften sind nicht mehr an Mann und Frau gebunden, sondern neuerdings abgekoppelt. Die Frau kann männlich sein, sie soll es sogar. Der Mann kann weiblich sein, damit ist er modern. Es kommt zu einer Verdrängung des Verständnisses von Mann und Frau. Dabei gilt aber immer: Die Frau ist das bessere Geschlecht – Feminismus halt.“

Dann erklärt mir die Autorin noch, dass ein Hang zur Pornos und gar die üble Homosexualität die Schuld der Frauen seien, weil die von den armen Männern viel zu viel verlangen würden. Das alles jedenfalls liegt daran, dass wir nicht mehr wüssten, was eigentlich männlich und was weiblich ist.

„Nach psychologischen Umfragen (www.hochzeitsguide.com) werden vom Traummann folgende unverzichtbare Attribute gefordert: Er soll treu, humorvoll, intelligent, einfühlsam, zärtlich, unternehmungslustig, männlich, leidenschaftlich, familienorientiert und gut gekleidet sein – und zwar in dieser Reihenfolge! Diese Wunscheigenschaften sind jedoch nicht primär das, was das „Mann-Sein“ ausmacht. Wenn diese Attribute vom männlichen Geschlecht verlangt werden, dann wird gefordert, dass die Männerwelt ihre Identität, den Kern ihres Wesens aufgibt. Die Männlichkeit dominiert eher mit rationalen, strategischen Fähigkeiten, Beschützerinstinkt, Mut, Stärke und Führungsqualitäten, während das Weibliche eher als einfühlsam, zärtlich, weich, schillernd und mütterlich beschrieben werden kann. Das soll natürlich nicht heißen, dass Frauen keine Führungsqualitäten haben, oder Männer nicht zärtlich sein können. Dennoch sind es jene Eigenschaften, die sich immer wieder als natürlich und charakteristisch bei den jeweiligen Geschlechtern herausstellen.

Ich habe mit keinem der Wünsche, die „die Frauen“ oder auch die Autorin an mich als Mann herantragen, ein Problem, wenngleich ich meinen Hang zu guter Kleidung etwas höher einsortieren würde. Sowohl die Forderungen „der Frauen“ als auch jene der Autorin stellen den Kern meines männlichen Wesens nicht in Frage. Ob der hübschen Biologismen steht für mich allerdings die Gesinnung der Autorin in Frage.

Noch eine Überraschung: Die Autorin der Artikelreihe, Carolin Anett Lüdeke (22), stammt aus Meiningen in Thüringen und studiert in Österreich katholische Theologie und Sexualpädagogik. Ob ihrer Einstellungen war ich – gebe ich gerne zu – überrascht. Ich trage ja auch meine Vorurteile über die starken jungen Frauen aus dem Osten mit mir rum. Deshalb habe ich eine junge Frau aus der thüringischen Rhön geheiratet.

Anyway …, es kann natürlich jeder schreiben, lesen und teilen, was er möchte. Nochmal Carolin Lüdeke:

„Männlichkeit ist also heute nur in dem Rahmen gewünscht, in welchem sich die Frau entfalten und unabhängig sein kann. Jeder Mensch sollte sich frei entfalten und entscheiden können – keine Frage!“

Ich werde meine neuentdeckte Männlichkeit bei der Beobachtung des Theoradars jedenfalls dadurch exekutieren, den Cathwalk zu meiden.

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2 Kommentare

  1. Abwarten – am Morgen gibt es die „7 Vorurteile gegen die Abschaffung des Pflichtzölibats“ – Wir sind ein Debattenmagazin ohne ideologische Einengung. Und wenn Sie finden, Gender soll nicht kritisiert werden, dann schreiben Sie einen Beitrag zu diesem Thema und wir bringen ihn!

  2. Abwarten – Morgen gibt es die „7 Vorurteile gegen die Abschaffung des Pflichtzölibats“ – Wir sind ein Debattenmagazin und lassen uns nicht ideologisch in eine Ecke drängen. Und wenn Sie finden, Gender ist überbewertet und soll nicht in dieser Form kritisiert werden, dann schreiben Sie einen Gegenbeitrag zu diesem Thema und reichen ihn bei uns ein.

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