5 x Moment mal (Oktober – Dezember 2016)

Wollt ihr das Land in Flammen sehen? (3. Oktober 2016)
„Dass Dresden Gastgeber spielen darf, zeigt eine Menge über den Zustand des Landes an. Die Stadt ist Gastgeber, weil Sachsen den Vorsitz im Bundesrat hat und auf diese – sehr deutsche – Weise festgelegt wird, wer sich um die Ausrichtung der offiziellen Festlichkeiten zu kümmern hat. Dass Dresden auf diesem Wege einmal dazu kommt, ein Beispiel guter Gastgeberschaft für alle Bürger dieses Landes zu geben, kann man getrost als Ironie der Geschichte auffassen.“

Sehnsucht (17. Oktober 2016)
„Ich lehne mich ganz sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass der alarmistische Grundton in unseren gesellschaftlichen Debatten bis hin zu seinem fremdenfeindlichen Extrem sich auch aus dem unbestimmten Gefühl der Fremdheit im Eigenen speist.“

Der Mut der Verzweiflung (31. Oktober 2016)
„Im ach so kirchendistanzierten SPIEGEL versucht sich der Hobby-Kirchenhistoriker und Sproß einer Pfarrersdynastie Georg Diez an einer kritischen Luther-Hagiographie, die man so auch nicht mit dem sicher ehrenwerten Vorhaben, sich dem verstorbenen Vater anzunähern, entschuldigen darf. Sein Text ist eine einzige Geduldsprobe, in dem er sich durch schmerzhafte Sätze hindurch aneignet, was von und über Luther seit nun also neun (!) Jahren ventiliert wird. Zwischendurch wird Luther die Schuld an allem zugeschoben, was zur Zeit im Argen liegt, als ob es die 500 Jahre seit dem Thesenanschlag nicht gegeben hätte. Die Reihe wird im Spiegel übrigens fortgesetzt, Papier ist nicht teuer genug.“

Der Anfang (28. November 2016)
„Wir sind ein Volk der „vom-Ende-her-Denker“. Was wir studieren wollen, das machen wir daran fest, was man damit mal werden kann. Bevor wir auf Reisen gehen, ist das Rückfahrtticket schon gelöst. Frau Merkel wird bewundert, weil sich die Vermutung hält, dass sie die Sachen „vom Ende her denkt“. Und wenn wir entsetzt und ungläubig die Ergebnisse von Brexit und US-Wahl anschauen, dann fragen wir uns: Wie wird das nur enden? Haben die denn gar nicht an die Konsequenzen ihrer Entscheidung gedacht?“

2016, Du Arsch! (26. Dezember 2016)
„Ich würde meinen, es ist doch selbstverständlich, dass nicht ein Jahr schuld am Tod des Lieblingssängers oder der geliebten Schauspielerin haben kann, geschweige denn einen Einfluss auf Terroranschläge oder sonstige Krisen, also weltumspannende Ereignisse mit komplexen Ursachen. Wer ein Kalenderjahr für weltweite oder auch persönliche Schicksalsschläge verantwortlich macht, der glaubt auch an das Horoskop in der Apotheken-Umschau.“

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