Wortgeberin

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Am 27. April jährt sich der Todestag Dorothee Sölles zum 10. Mal. Ich habe nicht viel von ihr gelesen, nur selten etwas von ihr gehört oder sie im bewegten Bild gesehen. Hängen geblieben sind eindrucksvolle Sätze. Damit bin ich nicht allein. Dorothee Sölle hat einer ganzen Generation friedensbewegter Christen solche Sätze gegeben. Als politische Aktivistin war sie der deutschen Demokratie eine wertvolle Stichwortgeberin. Als feministische Theologin hat sie den Ton der Kirchensprache verändert. Fulbert Steffensky, ihr Mann, sagt in seinem Nachwort zu einem Leben über sie: „Sie konnte weder von den Frommen noch von den Politischen, weder von den Konservativen noch von den Aufklärern ganz eingefangen werden. Sie erlaubte sich, die jeweils andere zu sein – den Frommen die Politische, den Politischen die Fromme, den Bischöfen die Kirchenstörerin und den Entkirchlichten die Kirchenliebende.“

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Das erste Mal richtig in Berührung mit Dorothee Sölle kam ich während meines FSJs. Im Laufe des Jahres besuchte ich viele der Jungen Gemeinden in und um Dresden, im Gepäck zwei sog. Reisethemen. Eines der Themen beschäftigte sich mit dem Schöpfungsgedanken. Häufig genug wird unter Christen über dieses Thema nur exegetisch, d.h. im Verweis auf die biblischen Schöpfungsmythen, oder apologetisch, d.h. im Blick auf die Wissenschaft und Evolutionstheorie, gesprochen. Ich wollte damals das Ganze über eine Schöpfungsmystik und im Blick auf eine veränderte Ethik aufziehen. Ich laß damals ihr Buch Lieben und arbeiten: Eine Theologie der Schöpfung. Es hat mich gepackt und das Reisethema stark geprägt. Im Zusammenhang der Amazon-Debatte habe ich auch hier im Blog schon daraus zitiert.

In der universitären Theologie begegnet man Sölle nach wie vor eher zurückhaltend. Anscheinend ist ihre Popularität für einige eher ein Zeichen dafür, dass es sich nicht wirklich lohnt, ihren Gedanken nachzugehen. Eine gewisse Aversion hatte man immer schon gegen die Frau, die sich auch lautstark in politische Debatten warf. Ihre Töchter und Enkelinnen wollen in der Breite von feministischer Theologie erst einmal nichts wissen. Immer noch wird befürchtet, dann an der Uni und im Beruf in die Ecke der Poncho tragenden Weltgebetstags-Muttis abgeschoben, jedenfalls als ernst zunehmende Gesprächspartnerin nicht wahrgenommen zu werden. Doch der Kampf ist nicht zu Ende geführt, das wird in den Geschlechter-Debatten unserer Tage wieder deutlich. Ich finde schon, dass die feministische Theologie und das Werk Dorothee Sölles auch heute noch viel zu geben haben; auch den Söhnen und Enkeln.

Mehr:
www.dorothee-soelle.de
Texte von und über Dorothee Sölle – www.lebenshaus-alb.de
Gespräch mit Dorothee Sölle aus der Reihe Zeugen des Jahrhunderts (Gedächtnis der Nation)

Ein Kommentar

  1. Danke für diese kleine persönliche Erinnerung. Unglaublich ist es, dass es schon 10 Jahre seit ihrem Tod sind.

    Herzliche Grüße
    Gudrun K.

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