Links unter Heiden (2)

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Seit letztem Jahr schreibe ich Unter Heiden über Ostdeutschland. Einmal im Monat erscheint die Kolumne bei theologiestudierende.de (und etwas später hier auf dem Blog). Aber natürlich gibt es noch viel mehr über Ostdeutschland zu lesen. Deshalb möchte ich hier einmal im Monat Leseempfehlungen aufschreiben: Links unter Heiden.

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13. Februar in Dresden
Wie jedes Jahr versuchen zum 13. Februar wieder Nazis den Jahrestag der Bombardierung meiner Heimatstadt zu kapern. Inzwischen stellen sich ihnen seit Jahren tausende Dresdner und Demonstranten aus allen Teilen der Republik entgegen. Bereits heute Abend gibt es eine Gegendemo (die Nazi-Veranstaltung durfte nicht stattfinden) und Morgen gehen die Aktionen gegen Rechts weiter. Ich freue mich, dass auch die Kirchen mit an Bord sind. Die Dresdner Protestanten haben sich dafür entschieden, die Skepsis der Sächsischen Landeskirche zu ignorieren und den Protest in allen friedlichen Formen zu unterstützen.

 

Das gesamte Frühjahr ist unter den Heiden Nazi-Demo-Saison. Also haltet die Augen und Ohren offen, wo und wann es vielleicht auch bei Euch zu Haus auf deine Stimme und dein Sitzfleisch ankommt. Dabei hilft vor allem netz-gegen-nazis.de.

Sächsische Extremismusklausel – Weg damit!
Dank der SPD und Manuela Schwesig entledigen sich Bund und Länder der dussligen Extremismusklausel, die neue Demokratieerklärung ist wesentlich angenehmer. Sachsen macht da nicht mit und hält weiter an seiner verschärften Extremismusklausel („Sachsenklausel“) fest. Darüber informiert heute Süddeutsche.de und schreibt auch viele Links für all die Leute auf, die sich zum ersten Mal mit dieser Ausprägung der sächsischen Demokratie beschäftigen wollen. Danke.

„Wir fühlten uns reich“ – Pfarrer in der DDR
Ähnliche Argumente wie die der Pfarrer, die in diesem Artikel zu Wort kommen,  habe ich schon häufig gehört. Aller scheinbarer Zufriedenheit mit den damaligen Löhnen zum Trotz hat aber nur ein Bruchteil der Pfarrerschaft die Angleichung an die Westbezüge damals kritisiert. Wie groß die Begeisterung heute wäre, wenn die Pfarrbezüge zusammengestrichen würden? Die Löhne anderer Kirchenmitarbeiter, die zu DDR-Zeiten zwar noch niedriger waren, aber wenigstens noch im guten Verhältnis zu den Pfarrgehältern standen, sind übrigens auch nach der Wende skandalös niedrig geblieben. Wie gut, dass unsere Gemeindepädagogen in den Schulen aufstocken können und unsere Kirchenmusiker sich mit Nebenbeschäftigungen durchhangeln.

Friede statt Revolution – Stasi-Kinder
Ein guter, ausführlicher Artikel über die Kinder von Stasi-Mitarbeitern.

Der Sozialismus als Kirchenfrage – Tillich und die religiösen Sozialisten
Der Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V. hat schon vor einer Weile einen Text Paul Tillichs und seines Freundes Carl Richard Wegener herausgekramt, der offenbar einen größeren Einfluss auf die Bildung dieser Vereinigung hatte. Ich weise hier auf den Text hin, weil 1) das Verhältnis von Sozialismus und Kirche im letzten Jahrhundert unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen (Sozialismus als Idee und Strömung, real-existierender Staatssozialismus, jugendliche Romantik) und mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen (starke Ablehnung durch die staatskonforme Kirche des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, Anti-Kommunismus der Kirchen in der alten BRD, Kirche im Sozialismus, Widerstand in der DDR) definiert wurde und 2) Paul Tillichs offene und zugleich kritische Kulturtheologie, die ich im Artikel Manifeste und latente Kirche beschreibe, hier sehr gut vorgeführt wird.

„Die sind alle noch da“
Roman Grafe ist an Schulen zu Gast, um über den Unrechtsstaat DDR zu sprechen. Dabei begegnen ihm offenbar häufig Vorbehalte gegen eine kritische und ehrliche Erzählung der Geschichte der DDR. Seine Erfahrungen hat er in einem Artikel für ZEITonline geteilt.

„Sie sollen Bescheid wissen“
Noch ein Artikel von ZEITonline, die immer wieder ostdeutsche Themen aufgreifen. Sehr löblich. Jeannette Otto schreibt darüber, wie sie versucht, ihren Kindern zu erklären, aus welch einem Land sie stammt.

PS: Der Januar-Artikel Unter Heiden: Zwischen Bekenntnis und Volkskirche kam erst Anfang Februar ein wenig verspätet bei theologiestudierende.de raus. Dafür ist er aber auch besonders umfangreich geworden.

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