Viel Glück und viel Segen … – Die Wikipedia feiert Geburtstag

Im März 2001 wurde die Wikipedia in Deutscher Sprache aus der Taufe gehoben. Seitdem wurden über 1,5 Millionen Artikel angelegt, korrigiert, diskutiert, erweitert. Die Wikipedia hat unser Verhältnis zu Wissen und Nachschlagewerken im letzten Jahrzehnt revolutioniert. Ein Lob zum 12. Geburtstag.

Zuerst muss ich mich wohl outen: ich bin Wikipedia-Autor. D.h. bis vor einem guten Jahr habe ich regelmäßig in der deutschsprachigen Wikipedia mitgeschrieben. Neue Artikel angelegt und angefüttert, im Rahmen meines Wissens korrigiert und vor allem kleine Rechtschreibfehler ausgebügelt. Zur Zeit schreibe ich nicht mehr richtig mit. Ich pflege noch die Artikel, die ich angelegt habe und bewahre sie davor, verschandelt zu werden. An dieser Stelle aber einen herzlichen Dank an die Wikipedia-Community, die genau das viel besser und gründlicher schafft, als es ein Einzelner schaffen kann. WikipediaPLUS Nr. 1: Es gibt so viel Arbeit, dass sie nur im Team erledigt werden kann, und sie wird erledigt.

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Für mehr reicht die Zeit Lust im Moment nicht mehr, d.h. aber nicht, dass ich fern der Wikipedia lebe. Wie wir alle (ja, alle) nutze ich die Wikipedia fast täglich. Zum Faktencheck, zu Beginn einer Recherche, zum Stöbern. Ich behaupte: häufiger als in unseren Tagen hat noch keine Generation vor uns ihr (Besser-)Wissen in irgendeinem „Lexikon“ nachgewiesen. Kein Gespräch ohne Antwort, denn sie ist ja nur einen Klick weit entfernt. Und ja, die Wikipedia klärt uns auf, und das zumeist sachlich richtig. WikipediaPLUS Nr. 2: Noch nie hatten wir unbeschränkten Zugang zu bisher unbekanntem Wissen, und das kostenlos und von überall auf der Welt.

Gerade in der Universität begegnet man der Wikipedia mit einer eigentümlichen Reserviertheit. Hauptargument der Kritiker ist, dass ja in der Wikipedia prinzipiell auch jeder Depp mitschreiben und dadurch die sachliche Richtigkeit der Artikel in Mitleidenschaft ziehen kann. Leider finden Kritiker bis zum heutigen Tag immer noch Beispiele – wenn man weiß, wo man suchen muss – für solche inhaltlichen Fehler oder auch nur Auslassungen. Diese momentane Schwäche wird dann der ganzen Wikipedia zugeschrieben. Die allermeisten Themenbereiche werden in der dt. Wikipedia inzwischen durch Portale und Redaktionen betreut, die für ihren Artikelbestand besondere Verantwortung übernehmen. Gerade in den Redaktionen arbeiten häufig Fachleute mit, die dafür sorgen, dass Artikel sachlich korrekt geschrieben werden. Aber ja, alle Texte zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, ist eine Sisyphos-Aufgabe. Trotzdem: WikipediaPLUS Nr. 3: In der Wikipedia sammelt sich das Wissen vieler unterschiedlicher Menschen, auch und gerade solcher, die beim Schreiben lernen. Viele Autoren arbeiten sich intensiv in ein Themengebiet ein, um Artikel schreiben und korrigieren zu können. Die Wikipedia ist zu einer Selbstlern-Schule geworden.

Die Wikipedia ist nicht kommerziell und konzernunabhängig. Sie bietet freie Inhalte in über 280 Sprachen an. WikipediaPLUS Nr. 4: In einem Internet, das für viele Nutzer ausschließlich von großen Konzernen „angeboten“ wird, nimmt die Wikipedia als unabhängige und keinen wirtschaftlichen Zielen verpflichtete Institution einen Ehrenplatz ein. Die Wikipedia ist ein Motor für die Entwicklung und Nutzung freier Lizenzen. Sie fördert die internationale Zusammenarbeit unterschiedlicher, stinknormaler Menschen.

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Die Wikipedia erhält sich nicht von allein. Das bemerken normale Wikipedia-Nutzer immer mal wieder, wenn ein farblich abgesetzter Spendenaufruf die Artikel ziert. Und ja, das nervt. Andererseits, Unabhängigkeit kostet. Serverkosten, technischer Service und die Bildungsarbeit der Wikimedia-Foundation (in Deutschland vertreten durch den Wikimedia Deutschland e.V.); das alles will bezahlt sein. Die 30-bändige Gesamtausgabe des Brockhaus kostet gut 2800 €, der Brockhaus in einem Band immerhin 50 €. Wieviel ist mir die Wikipedia wert? Spenden kann man übrigens immer, nicht nur während einer großangelegten Kampagne.

Viel wichtiger sind für die Wikipedia aber engagierte Mitarbeiter. Wer einen Fehler – und sei es nur ein kleiner Rechtschreib- oder Tippfehler – entdeckt, kann ihn ruhig berichtigen. Dazu muss man sich nicht einmal registrieren. Noch besser ist es aber, sich anzumelden und auf die Zeit hin selbst den Sichterstatus zu erwerben, dann muss kein anderer Wikipedianer den eigenen Änderungen hinterherräumen. Die Wikipedia braucht sicher Menschen, die sich in ihrem Fachgebiet auskennen und ihr Wissen teilen möchten (gerade in den theologischen Topoi). Aber bei inzwischen über 1,5 Millionen Artikeln in deutscher Sprache braucht es einfach auch gute Haushalter und HaushalterinnenLut.

1 Kommentar

  1. Ich bin auch begeisterter Wikipedianer. Ich musste allerdings feststellen, dass die deutschen Wikipedianer im internationalen Vergleich gern mal eine Kleingarten-Mentalität vertreten und sofort „löschen, löschen“ schreien, wenn ein neuer User etwas falsch macht. Typisch.

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