Trollolo

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Am Montag veröffentlichte ich den zweiten „Lob, Flausch, Spam“-Artikel hier auf dem Blog, gleichzeitig wanderte einer meiner Trolle von hier weiter zu theologiestudierende.de. Im Anschluss amüsierten wir uns über den Umgang mit Trollen. So weit, so normal und wenig aufregend. Doch scheinbar sind wir derzeit nicht die einzigen, die über Trolle (wieder einmal) nachdenken.

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Hass im Netz
In der F.A.Z. erschien ein Portrait einer dieser ominösen Geiseln der Kommentarspalten. Ich fand den Artikel sehr interessant und entwickelte Mitleid mit dem Portraitierten. Es handelte sich bei ihm natürlich um einen frühverrenteten Wüterich, zusätzlich geschlagen mit einer körperlichen Behinderung, die er sich – wie könnte es anders sein – bei den DDR-Grenztruppen zugezogen hat. Als ich begann, des Text zu lesen, hoffte ich inständig, dass es kein Ossi ist: aber im Artikel von Timo Steppat wird noch jedes Klischee mitgenommen („Seine Trophäen sammelt er in einem Ordner auf seinem Laptop, viele Screenshots, fein säuberlich archiviert.“ oder „‚Jede Meinung ist heute gleich politisch unkorrekt‘, sagt er und zieht hastig an seiner Zigarette.“)

Als Reaktion auf den F.A.Z.-Artikel schrub Antje Schrupp eine Kleine Trollologie in das Internet. Neben typischen Einordnungen der „Troll-Typen“, denen ich zwar zustimmen kann, von denen ich mich aber immer wieder frage, warum die eigentlich hilfreich sein sollen (?), hat sie danach einen (wie immer) klugen Gedanken parat: „Deshalb sehe ich diese Trolle manchmal auch als Chance. Gerade deshalb, weil sie den Mainstream so schön anschaulich machen, können sie auch eine Vorlage sein, um die dahinter stehende Haltung zu analysieren und ihr etwas zu entgegnen. Sozusagen mit Blick auf diesen Mainstream, der ja möglicherweise mitliest. Das kostet natürlich Zeit und Energie, die erst einmal da sein muss, aber manchmal hat man die ja.“

Ich glaube zwar, dass man nicht automatisch sagen kann „Trolle sagen, was die Mehrheit denkt“, aber ich glaube, dass das Getrolle tatsächlich ein Symptom ist. Dafür, dass Menschen in unserer Gesellschaft abgehängt sind und sich in den Diskussionen (von mir aus auch Diskursen) und in der Öffentlichkeit nicht wiederfinden. Dann entlädt sich das heute eben leichter ins Netz.

Ähnliches meint Gregor Keuschnig (Pseudonym) in seinem Begleitschreiben „Troll aus der Tüte“: „Aber das Netz ist keine Insel. Der Troll ist mitten unter uns. Vielleicht sogar unser Nachbar. Der Troll kommt aus unserer Gesellschaft. Und es gab ihn immer schon. Ein neues Phänomen ist er nicht. Das Internet ermöglicht dem Troll allerdings, zeitnah seine Provokationen, Verschwörungstheorien und Hasstiraden zu publizieren. Was früher Leserbriefredakteure zur Seite gelegt haben, ist heute sichtbar.“

Vorahmer und Nachbilder
Und er rückt etwas gerade, was ich ganz wichtig finde. Die Trolle sind nicht die einzigen, die sich der Überspitzung, Überladung und Übersteuerung bedienen, ihre Vorbilder oder Nachahmer finden sich in den Redaktionen des Landes: „Aufmerksamkeit erreicht man kaum noch mit sachlicher Auseinandersetzung. Stattdessen gibt es knackige Schlagzeilen und an den Haaren herbeigezogene Skandalisierungen. Der Troll nimmt damit nur eine Entwicklung vorweg, in dem er sie potenziert. Vielleicht ist er eine perverse Form von Avantgarde eines Journalismus, der immer mehr mit Vermutungen, Halbwahrheiten und eben Meinungen arbeitet.“

Für mich gehören Trolle zum Netz wie schimpfende Auto- oder Radfahrer zum Straßenverkehr. Man kann sich drüber aufregen, davon werden es aber auch nicht weniger. Wenn die SZ ihre Kommentarspalten dicht macht und anders diskutieren will, verschwinden die Trolle ja nicht einfach, sie weichen eben woanders hin aus. Ärgerlich finde ich das Getrolle nur dann, wenn tatsächlich Schaden angerichtet wird. Im Bild: ein Spiegel abgefahren wird oder ein Radfahrer stürzt. Das habe ich zum Beispiel in der Wikipedia häufig erlebt, wenn Störer Artikel nur aus Spaß an der Freude manipulieren und andere hinter ihnen aufräumen müssen.

Ich lasse deshalb auch offensichtlich verwirrte Kommentare oder Getrolle hier auf dem Blog zu, wenn sie in meinen Augen keinen Schaden anrichten. Wer bin ich, mir anzumaßen, wie (Struktur) man zu denken hat. Nur beim was (Inhalt) halte ich meinen Finger drauf: FdGO sowieso, keine Beleidigungen, keine Werbung und möglichst lustig müssen die Trolle sein.

 

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