Hitparade der Jungen Gemeinde (Folge 1) – 10 Klassiker der Evangelischen Jugend

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Mit dieser neuen Artikelserie möchte ich das Liedgut der Evangelischen Jugend, das auf Freizeiten und in Jugendgruppen gesungen wird, in den Fokus nehmen. Welche Lieder gehören als Klassiker zum Repertoir zahlreicher Gruppen? Welche Lieder sind unerträglich (geworden)? Welche haben besondere Substanz?

An den kommenden Donnerstagen stelle ich Lieder vor, die häufig oder seltener gesungen werden. Heute dreht sich alles um die vermeintlichen Klassiker der Jungen Gemeinde.

10. Wie ein Fest nach langer Trauer


Dieses Lied ist eines der bekanntesten Vertreter des Neuen Geistlichen Liedes. Als solches ist es zwar schon etwas betagt, wird aber immer noch häufig gesungen. Es hat breiten Eingang in den Gottesdienst der Gemeinden gefunden und gehört sicher nicht mehr zu denjenigen Liedern, mit denen man überraschen kann. Trotzdem: hier finden sich zahlreiche Sprachbilder, die weit über den Einheitsbrei der Licht- und Feuermetaphern hinausgehen. Wenn auch die Melodie inzwischen altbekannt ist, der Liedtext bietet sehr viel mehr Stoff, als viele andere Klassiker der Evangelischen Jugend.
(Liedtext, Text: Jürgen Werth, Musik: Johannes Nitsch)

 

9. Meine engen Grenzen


Ähnliches kann man von Meine engen Grenzen sagen. Das Kyrie-Lied wird inzwischen häufig in Gottesdiensten benutzt und hat einen Text, der nicht allzu flach daher kommt. Ein bisschen dynamischer als im Video kann man es sicherlich interpretieren. Es bleibt aber dabei, dafür dass modernes Kirchenliedgut an eine alte (gottesdienstliche) Tradition anknüpft und sie weiter entwickelt, ist dieses Lied ein gutes Beispiel.
(Liedtext, Text: Eugen Eckert, Musik: Winfried Heurich)

 

8. Der Tag vergeht und kommt nie mehr zurück


Spoiler: Das Video präsentiert das Lied für meinen Geschmack etwas zu sphärisch und auf halber Geschwindigkeit. Erzwungene Transzendenz. Trotzdem: Text und Melodie sind eingängig und an zahlreichen Lagerfeuern erprobt. Dort wird es seine Wirkung nicht verfehlen, auch wenn man es mit dem transzendentalen Überschwang nicht übertreibt und stattdessen einen flotten Rhythmus an den Tag legt.
(Liedtext, Text: Johannes Jourdan, Musik: Siegfried Fietz)

 

7. Danke für diesen guten Morgen


Kein anderes neues geistliches Lied hat eine derartig breite popkulturelle Rezeption erfahren, wie Danke für diesen guten Morgen – der cheesy christian Song‘. Davon zeugt auch dieses kurze Video aus der hervorragenden Sendereihe tvnoir. Hier interpretiert Jonas David „den Klassiker“ des neuen geistlichen Liedguts schlechthin. Danke für die Musik.
(Liedtext, Text und Musik: Martin Gotthard Schneider)

 

6. Folgen


Es gibt Lieder, die kann man garnicht häufig genug singen – dieses gehört nicht dazu. Heute nur schwer erträglich ist der 80er-Jahre Sound, der betont lässig daherkommt. Und der Text hat es in sich, „wir gehen hinterher“ entspricht nicht nur meiner Einstellung zum Glauben nicht. Es sind des Menschen Ideen und Pläne, in denen sich Gott verwirklichen will – deshalb zählen sie doch. Aus der sicher freundlich gemeinten Aufforderung zum „Folgen“ wird deshalb in meinen Ohren ein Drängen, ausschließlich auf das zuhören, was als gut für mich angepriesen wird und doch immer interpretationsbedürftig ist – und zwar durch mich. Die Zeit dieses Liedes ist (hoffentlich) vorbei.
(Liedtext, Text: Christoph Zehendner, Musik: Christoph Zehendner und Manfred Staiger)

 

5. Wo Menschen sich vergessen


Ein gutes Beispiel dafür, dass man es textlich nicht übertreiben muss, um ein singbares Lied zu schreiben. Das der Schritt ins Freie, der Aufbruch, zentral ist für den christlichen Glauben, wird hier in eingängige Noten gepresst. Bei dieser Interpretation, wie auch bei einigen anderen hier eingebetteten Liedfassungen, geht es mir aber ein wenig zu gemächlich zu. Die orange-gelb-roten Tücher dürfen natürlich nicht fehlen.
(Liedtext, Text: Thomas Laubach, Musik: Christoph Lehmann)

 

4. Keinen Tag soll es geben


Wenigstens eines der zahlreichen Segenslieder im Gebrauch der Evangelischen Jugend will ich gleich hier mit aufnehmen. Während meines Freiwilligen Sozialen Jahres beim Stadtjugendpfarramt Dresden ging kaum eine Woche ins Land, in der dieses Lied nicht in irgendeiner Gruppe / auf irgendeiner Freizeit angestimmt wurde. Und es gibt in der Tat schlechtere Vertreter der Zunft. Hier wird nicht mehr (aber auch nicht weniger) erwartet, als dass wir selbst in unserem Handeln gesegnet werden. Eine Wohltat im Vergleich zu zahlreichen „komm vom Himmel herab“-Hymnen.
(Liedtext, Text: Uwe Seidel, Musik: Thomas Quast)

 

3. Groß ist unser Gott


Groß ist unser Gott. Bäm.
Zu diesem Lied wöllte ich so viel schreiben, obwohl sich der Text ja arg im Rahmen hält, weshalb man das Lied, wenn man es singt, gleich mehrfach wiederholen muss. Wer ist der Gott, vor dem ich staunend stehe? Und, welchen Gott siehst Du dort stehen? Sein Wort gilt für alle Zeit. Ist damit die Bibel gemeint? Wenn schon, dann in welcher Interpretation? Aber ich verstehe schon, was häufig wiederholt wird, sickert ein. Und es lässt sich nicht verleugnen, eingängig ist dieser Schlager ja. Und unausrottbar.
(Liedtext, Text und Musik: Lothar Kosse)

 

2. Lord, I Lift Your Name On High


Auch eines der zahlreichen englischsprachigen Lieder der Evangelischen Jugend möchte ich hier schon vorwegnehmen: Lord, i lift your name on high. Es ist fröhlich, wenig kompliziert und erzählt im Refrain trotzdem eine kleine Heilsgeschichte, zumindest den Jesus-Teil davon.
(Liedtext, Text und Musik: Rick Founds)

 

1. Laudato Si

Joa, mir ist in den letzten Jahren zwar keine Jugendgruppe mehr untergekommen, die das mit vollem Ernst singt, aber: egal ob verzweifelt-bemüht moderne Pfarrer, bemüht moderne Kirchenchöre, irre Kinder und selbstironisch-verdrehte Jugendliche, Laudato Si ist der Klassiker des modernen Kirchenlieds.
(Liedtext, Text: nach Franz von Assisi, Musik: Klaus Stezenbach)

Du bist mit meiner Auswahl nicht einverstanden oder hast noch weitere Vorschläge?  Dann ab dafür in die Kommentare.

4 Kommentare

  1. Ich weiß ja nicht, welche Gemeinden bzw. Freizeiten Du hier besonders im Blick hast – außer „Lord, I Lift Your Name On High“ und „Groß ist unser Gott“ werden diese Songs in meinem Umfeld nur noch sehr, sehr selten gesungen und gehören eindeutig der Liedkultur der 80er- und frühen 90er-Jahre an. Ich vermute, dass sich diese Songs vor allem dort so hartnäckig in der Top Ten halten (was noch nichts über ihre Qualität aussagt), wo neueren Gemeindebewegungen und damit auch der neueren Lobpreiskultur mit Scheuklappen begegnet wird.

  2. Ein toller Artikel!
    Ich bin in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit aufgewachsen, bin heute Pfarrer und habe viele Jahre lang Jugendfreizeiten durchgeführt. Und ich muss sagen: Die Auswahl passt!
    Offensichtlich bin ich ein „verzweifelt-bemüht moderner Pfarrer“ – ich mag lautato si immer noch :-).
    Es ist aber auch interessant, wie inbrünstig 40-60 Jugendliche im Zeltlager (unsere jungen Teamer sagen heute Outdoor-Camp) diese Lieder singen. Ebenso wie übrigens auch alte Schlager, zum Beispiel Marmor, Stein und Eisen bricht …
    Echt klasse!
    Vielen Dank für den Artikel und ich freue mich schon auf die nächsten!
    Uwe Hermann, Pfr.

  3. Pingback: Lechajim.com fängt heute neu an! » Lechajim - für das Leben

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