Hitparade der Jungen Gemeinde (Folge 2) – The good, the bad and the ugly

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goodbadugly

Mit der Hitparade der Jungen Gemeinde möchte ich das Liedgut der Evangelischen Jugend, das auf Freizeiten und in Jugendgruppen gesungen wird, in den Fokus nehmen. Welche Lieder gehören als Klassiker zum Repertoir zahlreicher Gruppen? Welche Lieder sind unerträglich (geworden)? Welche haben besondere Substanz? Heute dreht sich alles um englischsprachige Lieder – die Guten, die Schlechten und die Hässlichen.

 

Die Guten

Glory
Dieses Lied habe ich während meines FSJ kennengelernt. Von der Form her handelt es sich um ein typisches Lobpreislied; inhaltlich ist es ein simples Gloria, mit der schönen Finte, dass alle Kinder Gottes einstimmen können. Leider habe ich kein gutes Video des Liedes gefunden und auch keine Fassung mit Noten, so dass ich hier bald einen eigenen Scan anbieten werde. Keine Urheberrechtsverletzung intendiert.

 

Hosanna – Soweto Gospel choir


Rhythmisch, fließend, dynamisch. Die Strophen eignen sich als Zwischengesang für Fürbitten oder Gebetskreis. Der Refrain erfordert schon ein wenig chorische Übung, ist bei Gelingen aber ein besonderer Genuss. Der Liedtext verkündet nicht weniger (und auch nicht mehr) als das EvangeliumLut.

 

Savior – Noa (Liedtext)


Das Lied ist garantiert kein Klassiker der Jungen Gemeinde, in Deutschland ist es überhaupt nur einer Minderheit bekannt und dann auch nicht als „christliches“ Lied, geschweige denn als Gemeindegesang. Es ist eine gefühlvolle Ballade, deren Text für unsere Ohren – die auf allzu simple Botschaften gepolt sind – sicher ersteinmal befremdlich wirkt. Meine Interpretation: Es geht darum, sich an etwas zu erinnern, das verschüttet ist, etwas Heiliges.

 

Mercy is falling


Zu Mercy is falling könnte ich eigentlich das Gleiche schreiben, wie letzte Woche über Laudato Si. Na ja, es macht einfach ne gute Gaudi.

 

Die Schlechten

Above all


Ich bin kein Freund der anglo-amerikanischen Worship-Songs. Mich öden die immergleichen Melodien an. Der triumphale Unterton bleibt mir fremd. Die Texte sind im besten Falle flach. Erst übersetzt fällt oftmals auf, wie fremd sie der Lebenswelt heutiger Christen eigentlich sind. In den Allermeisten fehlt mir eine soziale, gesellschaftskritische Komponente. Soziologisch würde ich sie als Eskapismus betrachten, mit allen negativen aber auch positiven Konnotationen. Aber ich erkenne an, dass die Songs einen nicht unwichtigen Teil der Frömmigkeit vieler junger Christen ausmachen.

Wenn ich mich als Theologiestudent und progressiver Christ den Worship-Songs nähere, dann nicht mit Scheuklappen, sondern mit wachem Blick für den musikalischen Variantenreichtum und den inhaltlichen Gehalt der Liedtexte. Ein gutes Lied trägt für mich den Glauben auf die Straße. D.h. aber auch, dass dieser Weg einen Startpunkt braucht, dieser Start kann der Lobpreis sein. Beim Lobpreis stehen bleiben, möchte ich nicht.

 

How to Write a Worship Song (In 5 Minutes or Less)

 

Die Hässlichen

„Okay, I know, many of you want to string me up after merely reading the title of this post. Let me explain: I’m a jerk. I’m cynical and somewhat of a music snob. In no way have I or would I ever pretend to be able to write a worship song, or any song for that matter, but I have been subjected to numerous worship sets which made me feel like laughing or puking. (Neither option is preferable when singing to the Big Guy.)“ – (Quelle: personman)

 

Mighty to save


Mighty to save von Hillsong ist ein formidables Beispiel für eine theologische Verwirrung, die sich in zwei Sätzen so beschreiben lässt. Nicht der Herr versetzt Berge, sondern wir sind dazu beauftragt. Lieder singen und befriedet nach Hause gehen, ohne tatsächlich an den Bergen der Ungerechtigkeit gerüttelt zu haben, ist nicht der Auftrag Jesu an uns. Viel besser als ich hat das in englischer Sprache Andrew Jones in seinem Blog beschrieben.

Was mich nach der Betrachtung solcher Worship-Videos immer wieder fassungslos zurücklässt, ist die völlige Aufhebung der Privatheit des Gebets des Einzelnen. Da wird in Gesichter und auf Hände herangezoomt, als ob wir hier Zeuge von Körperstudien würden. Für mich ist das Gebet – auch im öffentlichen Raum – ein intimer Kontakt, oder doch wenigstens ein vertrauensvolles Gespräch mit meinem Gott. In ein Gespräch zwischen zwei anderen Menschen platze ich doch auch nicht mit geschulteter Steadicam hinein.

 

Heart of Worship (Liedtext)


Dieses Lied habe auch ich in der Konfirmandenarbeit benutzt. Es hat eine eingängige Melodie, es ist englischsprachig, es ist irgendwie cool. Abgesehen davon, dass es inzwischen echt abgedroschen ist, weil es tausendfach gesungen wurde, hält der Text gleich mehrere zumindest verwirrende Botschaften bereit. „I’ll bring You more than a song. For a song in itself is not what You have required.“ Stimmt, ein Lied, alle Lieder sind nicht genug. Warum aber müssen wir uns zu Beginn der ersten Strophe eines Worship-Songs gegenseitig daran erinnern, dass es nicht aufs Singen, sondern aufs Handeln ankommt. „Longing just to bring, something that’s of worth, that will bless your heart.“ Hier scheint eine pagane Opfer-Theologie durch. Was hat der Mensch zu bringen, das das Herz Gottes erfreut? Der biblische Befund von Abraham bis Paulus von Tarsus zeugt von einer fundamentalen Antwort: nur den Glauben.

„Also, enjoy “Heart of Worship” … always fun to sing how important it is that the music should fade …“ (Mike Swalm)

 

I could sing of your Love forever (Liedtext)


Die biblischen Psalmen kennen neben dem Lob Gottes auch die Klage, den Dank und die dringende Bitte, das Flehen. Ich könnte nicht für immer von der Liebe Gottes singen. Muss ich auch gar nicht. „but, when the world has seen the light, they will dance with joy, like we’re dancing now“ Wenn wir im Eschaton schon tanzen – wofür ich wirklich Verständnis hätte – dann nicht im schüchternen Wiegeschritt, mit einem erhobenen Arm und arhythmischem Kopfnicken.

 

Apropos Tanzen


Wtf?

 

Du bist mit meiner Auswahl nicht einverstanden oder hast noch weitere Vorschläge? Dann ab dafür in die Kommentare.

Ein Kommentar

  1. Auch ich bin über die meisten neuen Lobpreislieder keineswegs glücklich. Dennoch finde ich sie in Summe theologisch weitaus angemessener als viele ihrer deutschen Artgenossen, die irgendwie doch nicht über Ethik (Gesellschaftskritik, etc.) hinauskommen. Da entspricht Worship der reformatorischen Theologie schon eher. Gerade „The Heart of Worship“ finde ich da äußerst passend. Mehr und mehr setzt sich während des Liedes die Einsicht durch: „Vor Gott kan ich nichts leisten, egal was ich vorbringen möchte.“ Das Entscheidende ist Jesus Christus.

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