Ruhig bleiben, Bonhoeffer lesen

Jetzt ist es also passiert: Auf einer als „Mahnwache“ für die Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin deklarierten Demonstration der Neuen Rechten hat ein Pfarrer gesprochen. In Talar und Beffchen!

Zwar marschieren schon seit Jahr und Tag Pfarrer i.R. und Christen bei Pegida- und AfD-Kundgebungen mit, doch der Anblick eines pfarramtlich gewandeten Predigers auf einer Demo von ganz rechtsaußen ist ein neuer, gewöhnungsbedürftiger Anblick. Nicht umsonst entzündete sich daran unter Christen und Pfarrleuten eine heftige Diskussion: Darf er das überhaupt? „Ruhig bleiben, Bonhoeffer lesen“ weiterlesen

3 x Moment mal (Juni – September 2016) + 1 x Woanders

Zur Ökumene verurteilt (6. Juni 2016)
„Der junge Katholik wird nun an 12 aufeinanderfolgenden, 90-minütigen Gottesdiensten in einer ortsansässigen Baptistengemeinde teilnehmen und sich den Besuch vom Pastor quittieren lassen. Derlei Bonusheftspäßchen treiben wir hierzulande ja nur mit Konfirmanden. […] Wie leer wären die Gefängnisse und wie voll die Gotteshäuser der Welt, wenn der Gottesdienstbesuch nicht nur – wie bisher – als Präventivmaßnahme, sondern generell als Strafmaßnahme verstanden würde?“

Die gehen nicht wieder weg (11. Juli 2016)
„Es ist völlig unerheblich, ob man über die Muslime bei uns vor allem unter dem Stichwort Flüchtlingskrise spricht oder die Relevanz des Themas unter den Schlagworten Migration und Globalisierung zu fassen versucht: Die Muslime sind hier, um zu bleiben. Die gehen nicht wieder weg. Allein das sollte uns reichen, um uns mit Neugier und Frohsinn und manchmal auch mit einer Portion Skepsis endlich intensiver mit dieser Religion und ihren Menschen zu befassen. Denn nicht nur die Abhandlung des Themenfeldes in den großen Nachrichtenmedien verharrt oft auf einem erbärmlichen Niveau, repetiert die immer gleichen vermeintlichen (Glaubens-)Wahrheiten.“

Ein Kessel voller heißer, starker Liebe (12. September 2016)
„Von der eigenen Hochzeit zu erzählen ist eigentlich immer eine schlechte Idee. Der vermeintlich „schönste Tag des Lebens“ mag es für die Betroffenen ja gewesen sein, das Interesse der Restmenschheit sollte jedoch nicht überstrapaziert werden. Wenn ich heute allerdings trotzdem etwas über meine eigene Hochzeit schreibe, dann weil ich bei der Pressepfarrerin unter dem hübschen Titel „Bräute heute“ aufgeklärt wurde. Aufgeklärt wurde ich von ihr über die aktuelle Brautgeneration, die (wieder) konservativer sei, sich z.B. vom Brautvater zum Altar führen lässt oder auf einen hollywoodreifen Antrag hofft. Ich glaube es liegt einfach daran: Umso mehr die Institution der Ehe in Frage steht, desto mehr wird da in der Gestaltung der Eheschließung kompensiert. Da kann man auch mal über das Ziel hinaus schießen.“

evangelisch.de: Pro/Contra „Pokémon Go“ in der Kirche
„Pokémon Go ist einer jener Trends, für den ich als Nichtspieler erst einmal Sympathie habe, weil sich die falschen Leute drüber aufregen. Da wären die Kulturpessimisten, die dem Digitalen an sich mit Vorbehalten begegnen. Da sind Nörgel-Rentner und Alltags-Puristen, die bedauern, dass wir uns dank Smartphone nicht mehr auf unser Gegenüber oder auch nur den Fußweg vor uns konzentrieren: „Augen geradeaus!“ Das alles klingt mir zu preußisch, asketisch und freudlos. Wenn Christen jeden neuen Trend verdammen, dann wird mir speiübel. Denn was sie damit eigentlich machen, ist ihr Christentum vom Rest der Kultur abzuspalten und es sich in einer winzigen Nische bequem zu machen.“

Hausaufgaben – Eine Träumerei

Die Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat gezeigt, dass es eine Mehrheit für eine Rot-Rot-Grüne Koalition geben kann. R2G könnte eine Antwort auf die schwierigen politischen Umwälzungen sein, denen sich Deutschland derzeit stellen muss. Wenn R2G auch im Bund eine realistische Möglichkeit werden soll, müssen die beteiligten Parteien bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr aber noch Hausaufgaben erledigen. „Hausaufgaben – Eine Träumerei“ weiterlesen

Warum eine Demo nicht immer das Mittel der Wahl ist – Demo-Samstag 17. September 2016

Am Samstag, den 17. September 2016, wurde reichlich demonstriert. Es ist eine Zierde für unsere Demokratie, dass freie Bürger auch die Straßen und Plätze nutzen, um ihren politischen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen. Die öffentliche Demo ist Triebkraft gesellschaftlicher Veränderung, weil sie berechtigten Anliegen dadurch Nachdruck verleiht, dass man einfach sehen kann, wie vielen Menschen etwas wichtig ist. Das macht politisches Handeln in vielen Fällen erst dringlich.

Protest, der sich lohnt

Und noch mehr: Für viele Menschen spielen Demonstrationen eine wichtige Rolle in ihrer Biographie. Das gemeinsame auf die Straße gehen emotionalisiert zum Teil staubige politische Themen. Sich etwas zu herzen nehmen und damit herumgehen, ist tief verknüpft (-> Pilgern). Manchen Themen ist mit der einhergehenden Emotionalisierung und Verknappung der Botschaft, die für eine Demo zentral sind, nicht gedient. Nicht jedes Anliegen sollte man in Sätze verpacken, die sich zwar wunderbar skandieren lassen, dadurch aber der gebotenen Komplexität und Sensibilität ermangeln. „Warum eine Demo nicht immer das Mittel der Wahl ist – Demo-Samstag 17. September 2016“ weiterlesen