Auch das Christentum ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar

Am Wochenende entblödete sich Trixi von Storch von der AfD nicht, zu behaupten, der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Das gilt natürlich auch vom Christentum. Grundgesetzkonformität ist auch nicht der Maßstab, an dem wir Religionen messen sollten. Ich habe bei Storchs Äußerungen an ein Interview Navid Kermanis mit PublikForum (Ausgabe 24/2015) denken müssen, darin:

„Teile der Gesellschaft halten einen schon für bekloppt, wenn man die Ansicht vertritt, dass der Mensch nicht alles und der menschliche Verstand nicht das Maß aller Dinge ist. Und wer staatliche Vorschriften nicht für die einzige Gesetzesquelle hält, ist für sie ein Fall für den Verfassungsschutz. Wenn es aber keine Kommuniktation mehr gibt zwischen denen, die religiös verankert sind, und denen, die kein Gespür dafür haben, was Religiosität ausmacht, wird es zunehmende Missverständnisse geben, innerhalb der Gesellschaft, aber mehr noch in der Auseinandersetzung mit anderen Gesellschaften. Denn diese radikal säkularisierte Zone der Welt existiert nur in einem schmalen Streifen zwischen Skandinavien und Nordspanien.“

Das Bestürzende ist, dass Storch Christin ist. Sie tut aber so, als ob ihr nicht klar ist, was Religiosität ausmacht. Oder hat sie dafür kein Gespür? Nach allem was man weiß, ist Frau Storch sogar eine Christin, die besonders auf die Gesetzlichkeit ihres Glaubens Wert legt. Wenn sie also Grundgesetz und Religion gleichsetzt, dann nicht unabsichtlich, sondern bewusst, um gegen den Islam zu hetzen. Darin steckt eine gehörige Portion Doppelmoral, weil sie für sich selbst in Anspruch nimmt, was für viele Religiöse selbstverständlich ist: Eine höhere Bedeutung des „göttlichen Gesetzes“ gegenüber menschlichen Gesetzgebungen. Oder nicht? „Auch das Christentum ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“ weiterlesen

Männer in die Pflege

Heute bin ich en passant mehrmals auf ein Thema gestoßen, das für die Zukunft unseres Sozialsystems sehr wichtig ist: Männer, die in der Pflege arbeiten oder genauer die Frage, warum Männer genau das so selten tun. Weit davon entfernt, ein Experte auf dem Gebiet der Pflege zu sein, will ich einmal meine Eindrücke zur Diskussion beisteuern und vielleicht ja auch ein, zwei Lösungsvorschläge anpreisen. Meine Eindrücke sind vor allem durch meine Arbeit als Referent auf FSJ-Seminaren gefärbt.

Die Frage ist brennend: aktuell und kompliziert zugleich, doch was mir als erstes auffiel, war die Frage an sich. Warum sollten junge Männer anderer guter Gründe bedürfen, in der Pflege tätig zu werden als junge Frauen? Und wenn wir schon dabei sind: hätten oder haben ältere Menschen andere Gründe als junge, in die Pflege zu gehen? „Männer in die Pflege“ weiterlesen

The Newsroom

Nachdem ich auf Youtube über ein paar Clips gestolpert war, habe ich mir The Newsroom von Aaron Sorkin vorgenommen. Sorkin ist einigen Fernsehenthusiasten als Schöpfer von The West Wing ein Begriff. Für diese Serie, die von 1999 bis 2006 auf NBC, einem der großen Fernsehnetzwerke in den USA, lief, war ich damals noch zu jung bzw. an us-amerikanischer Politik zu uninteressiert. Umso mehr hat mich der Aufriss von The Newsroom jetzt angefixt.

Schau an: Die Eröffnungszene (Youtube)

Mit dieser Szene steigen wir in das Geschehen ein. Und sie zeigt schon eine Menge von dem, was mir an The Newsroom außerordentlich gut gefällt. Schnelle, witzige (engl. witty „witzig, geistreich, originell, launig“) Dialoge, Fernsehen, das seine Zuschauer nicht für dumm verkaufen will, sondern herausfordert und handwerklich gut gemachte Unterhaltung. „The Newsroom“ weiterlesen

Weniger Kommentare, bitte!

Wer googeln kann, der weiß: Ein Kommentar ist eine kritische Stellungnahme zu einem aktuellen Ereignis oder Thema im Fernsehen oder in der Zeitung oder Online. Wer sich ein wenig auskennt oder die Wikipedia zu Rate zieht, der weiß: Bei einem Kommentar handelt es sich um einen Meinungsbeitrag. Er präsentiert und erklärt eine Meinung zu den bereits vorgestellten Informationen.

Kommentare überall
Auch ich schreibe gelegentlich Kommentare, vor allem auf theologiestudierende.de. Mit einem „Moment-mal“, einer Kolumne, die nichts anderes ist als eine nie abreißende Kommentarkette, startet theologiestudierende.de in die Woche und ich schreibe, wenn nichts dazwischen kommt, einmal im Monat so einen Einwurf.

Viele von uns erinnern sich auch noch an den Kommentar von Anja Reschke, den sie in den Tagesthemen vor ein paar Monaten sprach. Der hat gut getan, da waren sich viele Menschen einig. Kritischer sehen wir die Kommentare, die von uns allen mal mehr mal weniger häufig und qualifiziert unter Artikeln oder Videos im Netz gepostet werden.

Es gibt einen enormen Drang dazu sich zu äußern, seine Meinung kund zu tun. Das fängt bei diesen kurzen Kommentaren im Netz an. Geht in der Blogosphäre weiter, wo es vielleicht am interessantesten ist, weil sich viele Menschen die Mühe machen, aus ihrem Leben, ihrem Beruf, ihrer Perspektive heraus mitzuteilen, was anderen an Information und Einordnung fehlt. Die Kommentarflut setzt sich fort bis in die Nachrichtenmagazine und Zeitschriften hinein. „Weniger Kommentare, bitte!“ weiterlesen