Ich bin nicht Charlie Hebdo

Ich will es einmal herunterreißen: Angst bringt im Menschen entweder das Schlechteste oder das Beste hervor, was er zu bieten hat. Gesellschaften reagieren auf Angst entweder mit Ausgrenzung oder aber mit Solidarität. Solidarität zu üben ist ein Zeichen für die wahre Gesundheit eines Menschen, denn es legt Zeugnis von der eigenen Empathiefähigkeit ab, die uns erst zu Menschen macht. Ein öffentliches Zeichen der Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen, ja mit der angegriffenen Zunft der kritischen Journalisten, am Ende mit allen für Freiheit kämpfenden Menschen ist #JeSuisCharlie. Mir ist diese Art der Solidarität tausendfach lieber als irgendeine auch nur kleine Ausgrenzung oder ein falsches „Aber“.

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Sternsinger im Bildungsministerium unerwünscht – na und?

Passend zum Untergang des Abendlandes wird dieser Tage in Deutschland über die Sternsinger diskutiert. Zur Erinnerung: Kinder ziehen singend von Haus zu Haus und malen an die Türen den Segen des Herrn. (Mehr dazu.) Nun hat es dem Personalrat des Bildungsministeriums in Brandenburg gefallen, den Minister darum zu bitten, dass die Sternsinger dieses Jahr nicht ins Haus kommen. Minister Günter Baaske (SPD) bestellte die Sternsinger also ab.

Das muss man nicht schön finden. Ich für meinen Teil habe, dort wo ich es konnte, die Sternsinger immer gerne eingeladen. Es ist eine schöne Aktion, man tut etwas Gutes fast nebenbei und den Rest des Jahres kann man sich beim Kramen nach dem Schlüsselbund an den Segen des Herrn erinnern lassen. Aber ich habe auch Verständnis dafür, wenn man sich entscheidet, die Sternsinger lieber nicht einzuladen. „Sternsinger im Bildungsministerium unerwünscht – na und?“ weiterlesen

Erinnerung an Deutschland

Gestern Nacht laß ich einen beeindruckenden Text von Stefan Willeke auf ZEITonline. (Der zweite Großtext binnen weniger Tage.) Er hat mich nach und trotz der ganzen Bauchschmerzen, die mir #Pegida zur Zeit bereitet, an ein Deutschland erinnert, in dem ich gerne lebe und das gerne an vielmehr Stellen noch so sein kann, wie er es in einem nur kurzen Absatz beschreibt.

„Wer sich in diesen Fall vertieft, erfährt etwas über Geduld in der Politik und die bewundernswerte Beharrlichkeit einer Demokratie. Die Bundesrepublik ist strikt gegen die Todesstrafe. Das Prinzip lässt sich nicht dadurch auf die Probe stellen, dass ein Häftling es der Bundesregierung schwer macht, ihn vor dem Tod zu bewahren. Das Prinzip ist immun gegen Menschen, die davon profitieren. Lutz Schuster müsste sich sogar damit abfinden, dass sein Staat ihn auch dann noch zu retten versucht, wenn er sich selbst aufgegeben hat. Gegen die Grundsätze seiner Demokratie in der Heimat ist er machtlos. Das sagt zwar nichts über Lutz Schuster, aber viel über die moralische Kraft eines Rechtsstaates.“ – aus Diplomatie für einen Mörder von Stefan Willeke

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Meine Dresdner Beobachtungen Teil 2 – Gespräche über #Pegida

Als Exil-Dresdner verfolge ich seit dem Herbst intensiv das Aufkommen von #Pegida und die Gegendemonstrationen von #nopegida und „Dresden für alle“. Über Weihnachten war ich zurück in meiner Heimatstadt. Meine Eindrücke von dort habe ich hier und in einem ersten Teil aufgeschrieben. Gerade beim Thema #Pegida dient mir das Schreiben als Denkhilfe. Meine Gedankengänge sind also ganz bestimmt nicht abgeschlossen, sondern nur ein Ausschnitt aus dem was mich zum Thema bewegt. (Mehr zur #Pegida auf diesem Blog.) „Meine Dresdner Beobachtungen Teil 2 – Gespräche über #Pegida“ weiterlesen