Das Haus ist mein und doch nicht mein – Predigt zu Jesaja 5, 1-7 (Reminiszere 2018)

Ich spaziere durch ein kleines Dorf. Es ist Sommer. Jetzt, am späten Nachmittag, hat die Sonne längst ihren höchsten Punkt verlassen und wandert dem Horizont entgegen. Ich wandere auch – durch das kleine Örtchen, immer die Hauptstraße entlang. Viele andere Wege gibt es auch nicht. Hier und da nur kleine Abzweigungen, die zu Feldern oder in den Wald führen.

Ich sehe mich um, obwohl es viel nicht zu sehen gibt. Die alte Tür der kleinen Dorfkirche ist verschlossen, ihre Turmuhr stehen geblieben. Die Dorfgaststätte hat nicht geöffnet – vermutlich schon länger. Ich sehe üppige Blumenbeete und gepflegte Gemüsegärten neben den Wohnhäusern. Auf der Straße liegen kleine Büschel Heu – verloren vom Erntewagen. Von den Wiesen weht das Knattern und Klappern der Wendemaschinen herüber.

Auf meinem Weg komme ich an einem alten Fachwerkhaus vorbei. Eines von vielen, die sich die Straße entlang aufreihen. Die Balken sind bleich, an vielen Stellen ist der Lehmputz herausgebrochen, das darunter liegende Holzgeflecht ist zu sehen. Um das Haus liegt ein großzügiger Garten. Wild und struppig wachsen verschiedene Hecken durcheinander und umwuchern drei alte knorrige Obstbäume, an denen nichts mehr wächst. All das ist von einem zerfallenen Holzzaun begrenzt. Die Latten sind lose und morsch und von Moos bewachsen. Mehrere Zaunfelder fehlen oder sind umgestürzt. Der alte Beetgarten ist von Tieren zerwühlt und mit verdorrtem Unkraut übersät.

Ich gehe einige Schritte näher heran und suche mit meinen Augen einen Balken im oberen Stockwerk ab. Was steht da? „Das Haus ist mein und doch nicht mein. Nach mir zieht ein anderer ein.“ Lange ist hier keiner eingezogen, denke ich, sehr lange. Schade. Ich gehe ein paar Schritte und betrachte das Haus und seinen Garten nochmal aus der Entfernung. Und ich versuche mir vorzustellen, wie es wohl einmal ausgesehen hat. Wie abends in den Fenstern Licht brannte, wie die Fassade und der Zaun heil waren, wie die Bäume Früchte getragen haben und auf dem Beet Kohlrabi, Erdbeeren und Lauch wuchsen. „Das Haus ist mein und doch nicht mein – Predigt zu Jesaja 5, 1-7 (Reminiszere 2018)“ weiterlesen

Nachtgedanken zur Berichterstattung über die AfD

Jetzt werden schon abgebrochene Interviews dokumentiert. Und der Abgang Alice Weidels ist auch ausreichend ausgeweidet worden. Das ist alles lächerlich. Zuerst und vor allem natürlich der Abgang selbst. Dieses Hintergrundrauschen und das permanente Hingaffen nutzt vor allem der AfD. Nun könnte ich einfach fordern: Klickt das nicht mehr! Denn Journalisten schreiben nun mal auch, was gerne geklickt und gekauft wird. In Deutschland würden noch immer Eier aus Käfighaltung gekauft, stünden sie in den Supermarktregalen. Allein mit der Forderung nach Konsumenten-Vernunft ist es nicht getan. Auch wenn das ein Anfang wäre. Trotz der Algorithmen. AfD-Berichterstattung kann und will ich auch nicht verbieten. Das ist ja sehr nützlich, diesen Unfug an die Öffentlichkeit zu zerren. Da muss Luft dran, dann trocknet das auch aus. Aber erinnern darf man schon: Zur journalistischen Sorgfaltspflicht gehört auch die Beachtung der Verhältnismäßigkeit.

7 andere gute Gründe für die Kirchensteuer

Dieser Beitrag bezieht sich direkt auf eine Diskussion auf dem evangelikalen Theoblog. Ich habe dort eine Lanze mehrere Lanzen für die Kirchensteuer gebrochen. Dieser Beitrag ist jetzt aber offensichtlich tatsächlich zu lang für die dortige Kommentarfunktion geworden.


Ich halte die Kirchensteuer nicht für das non plus ultra. Ich mag sie nur gegen ungerechtfertigte Kritik in Schutz genommen wissen. Es gibt da halt viele Missverständnisse, die in EKD-kritischen Kreisen wider besseres Faktenwissen gepflegt werden.

Die Kirchensteuer in Deutschland ist ja ein historisch (nahezu) einmaliges Konstrukt. Ich bin daher weit davon entfernt, zu behaupten, es ginge gar nicht anders. Nur muss man auch einmal sehen, was mit den Kirchensteuermitteln so angestellt wird. „7 andere gute Gründe für die Kirchensteuer“ weiterlesen

Die Eule

Dieser Artikel ist lang überfällig. Gemeinsam mit zwei Kollegen von theologiestudierende.de habe ich ein neues Projekt ins Leben gerufen. Die Eule ist unser Versuch einer Kirchenzeitung, die vor allem als Ergänzung zu den klassischen Kirchenmedien gedacht ist. Diese klassischen Kirchenzeitungen nutzen immer weniger Leute, gerade junge Menschen finden sich da wenig wieder.

 

 

Wir versuchen Themen und Nachrichten zu bearbeiten, die für eine neue Generation von Kirchenleuten (alt und jung) interessant und relevant sind. Weil Die Eule ein Online-Magazin ist, müssen wir uns nicht darum scheren, wie viel Platz in so einer Zeitung zu Verfügung steht und können darum an Themen langfristig und ausführlich dran bleiben.

In den letzten Wochen sind bereits einige spannende Artikel erschienen. Auch ich habe schon eine Stange Artikel beigesteuert. In der Eule setze ich auch meine Kolumne Unter Heiden fort. Damit wir uns nicht nur auf den deutschsprachigen Raum verengen, haben wir die Kolumne Die Internationale eingeführt, in der Menschen aus vielen Ländern und Weltregionen schreiben.

Überhaupt ist Die Eule als offenes Projekt konzipiert: Prinzipiell darf und kann jeder sich als Autorin oder Autor beteiligen. Das wird in Zukunft die Vielfalt an behandelten Themen und vorgestellten Meinungen vergrößern. „Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht“, heißt es so schön. Alles Mögliche wird es bei uns nicht geben, denn „unsere Beiträge sind anschlussfähig an eine plurale Gesellschaft, einen aufgeklärten christlichen Glauben und wissenschaftliche Theologie.“

Beispiele für Gegenteiliges finden sich gerade in der christlichen Online-Publizistik zuhauf, weshalb Die Eule auch ein Ort sein soll, an dem mit progressiver Haltung mancher Engstirnigkeit begegnet wird.

Schaut Euch einmal um, unter eulemagazin.de. Und wenn Ihr schon mal da seid, dann abonniert doch gleich den Neue-Artikel-Newsletter, so verpasst Ihr keinen unserer Beiträge.

Einen extra Service, gerade für Vielbeschäftigte und Leute, die sich in der christlichen Internet-Landschaft (noch) nicht so gut auskennen, sind die Links am Tag des Herrn. Immer sonntags bringen wir Euch auf den aktuellen Stand, was Kirchen- und Glaubensthemen angeht. Die Links kann man ebenfalls als Newsletter bestellen, so dass an jedem Tag des Herrn die Links vollständig und ohne weiteren Aufwand ins eigene Emailpostfach purzeln. Seht es einfach als Euren Kirchen-Newsletter, den man nicht verpassen sollte.

Zum Schluss eine Bitte: Als Redaktion leben wir von den Vorschlägen und Hinweisen unserer Leserinnen und Leser (früher hätte man so etwas Eingaben genannt). Ihr erreicht die Redaktion unter redaktion@eulemagazin.de, per Twitter und auch auf Facebook. Wir freuen uns natürlich auch über Eure Likes, Shares und Favs. Und wer weiß, vielleicht dürfen wir einige von Euch ja bald in den Reihen unserer Autorinnen und Autoren willkommen heißen.

PS: Unser schniekes Logo hat uns André Hädicke designed, mehr zum Logo haben wir hier aufgeschrieben. Und die Seite hat natürlich Kollege Melzer gebaut, mehr zum Design der Website hat Max hier aufgeschrieben.