Konvergente Homiletik

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Gemeinsam Predigen, ist, auf eine Sentenz gebracht, der Gedanke mit dem ich mich die letzten Tage beschäftigt habe. Ein paar Ideen dazu werde ich in den nächsten Tagen (Wochen) hier vorstellen. Als erste Idee: „Konvergente Homiletik“. Wobei ich mir zunehmend unsicher bin, ob man das, was ich hier beschreiben will, in seiner Breite tatsächlich so nennen kann. Es ist auf alle Fälle nichts wirklich Neues, viele internetaffine Kirchenpeople werden das ein oder andere schon ausprobiert haben oder regelmäßig durchführen. Trotzdem, ich will unter dieser Überschrift einmal ein paar Überlegungen anstellen.

(Medien-) Konvergenz
Unter diesem Schlagwort wird vor allem im Netz und unter Journalisten zurzeit über die wechselseitige Ergänzung mehrerer Medien nachgedacht. Konvergenz meint also nicht die Ablösung eines Mediums durch einen Nachfolger, sondern eine Ergänzung bisher genutzer Medien durch andere, neue hinzukommende Formen der Präsentation/Wahrnehmung. Schauplatz dieses „Zusammenwachsens“ ist das Internet. Mit dem Rechner oder dem Handy nehmen wir Zugriff auf unterschiedlichste Medien (Text, (Bewegt-)Bild, Musik und Klang, etc.). Ganz einfach erklärt das folgendes Video:

Medienkonvergenz, so will uns „Schau hin!“ sagen, ist toll und bringt Herausforderungen mit sich. Ich möchte mal ein wenig die Chancen der Medienkonvergenz für das gemeinsame Predigen ausleuchten. Zuvor aber, was heißt gemeinsam predigen.

Mit den Leuten reden
„Ich rede mit dem Hörer über sein Leben. Ich rede mit ihm über seine Erfahrung und Anschauung, seine Hoffnung und Enttäuschung, sein Versagen, seine Aufgaben und sein Schicksal. Ich rede mit ihm über seine Welt und seiner Verantwortung dieser Welt, über die Bedrohung und die Chancen seines Daseins. Er, der Hörer, ist mein Thema, nichts anderes. Freilich: er, der Hörer vor Gott.“ Ernst Lange, Predigen als Beruf, Stuttgart 1976

Im Lichte dieser Sätze Ernst Langes, die vielen von Euch aus dem Kontext der Homiletik bestimmt bekannt sind, habe ich mir die Frage gestellt: Warum nicht einfach tatsächlich mit den Leuten reden, statt noch so gut über sie? Wo gibt die Predigt Möglichkeit zur Partizipation der Gemeinde an der Predigt selbst? Lange selbst und mit ihm viele Pastorinnen bis heute veranstalten Predigtgespräche, gemeinsame Predigtvorbereitungen, etc.

Kann man gemeinsam mit den Leuten predigen?

Predigen hieße dann, mit den Teilnehmern an einer gemeinsamen Geschichte zu basteln. An der eigenen Lebensgeschichte, an der Geschichte der Gemeinde, an der Geschichte des Glaubens. Dabei bleiben alle Beiträge Fragment (auch die des Pfarrers!) und stellen nur eine Perspektive oder einen Teil der gemeinsamen Geschichte dar, die von einem anderen Gemeindemitglied oder einer anderen Gemeindegruppe aufgenommen und weitergesponnen wird. Kann dies eine aktualisierte Weiterentwicklung des Schleiermacherischen freien Zirkulierens der religiösen Überzeugungen sein?

Medienvielfalt im Alltag der Gemeinde
Wie toll wäre es, wenn ich zusätzlich zum Sonntagsgottesdienst und weiterer Präsenzveranstaltungen auch am Rechner Teil einer „Gemeinde-Erzählung“ sein könnte. Am Mittwoch selbstverständlich die 5min-Videoandacht zur Wochenmitte auf der Website der Gemeinde sehen, im Auto auf dem Nachhauseweg von der Arbeit einen Podcast hören, jederzeit etwas im Gemeindeblog nachlesen könnte. Dabei müssen die Inhalte nicht nur von Hauptamtlichen gestaltet werden. Einige Pfarrer beschäftigen sich ja auch in Deutschland intensiv mit solchen Entwicklungen. Doch die Allermeisten schrecken davor (noch) zurück. Daran mag Unkenntnis dieses „Neulands“ nicht unschuldig sein; sicher auch die Befürchtung, damit nur Zeit zu verplempern (vielleicht ja in den Augen des Gemeinderats) oder allgemein ohnehin schon genug zu tun zu haben. Aber man muss ja auch nicht gleich ein ständiges konvergentes Angebot machen. Das Kirchenjahr gibt  ja mindestens zwei gute (und ziemlich offensichtliche) Möglichkeiten, das ganze mal im Projekt auszuprobieren und im Hinblick auf das gemeinsame Predigen zu profilieren. Den Advent und die Passionszeit.

Hier mal nur so: Konvergenter Advent
Von Adventskalendern haben ja wirklich alle schon einmal gehört. Dort finden sich jeden Tag Inhalte, die von unterschiedlichen Gemeindegruppen produziert werden oder aus dritten Quellen ausgewählt hinzugenommen worden sind. Neben der Möglichkeit, hier wirklich die Zeit der Erwartung in der Gemeinde abzubilden, z.B. durch Videos von Veranstaltungen, Texte und Bilder, Gespräche, etc. geht es mir aber vor allem darum, alle Gruppen und Einzelpersonen an der Verfertigung einer gemeinsamen Predigt zu beteiligen.

Startpunkt könnte eine Predigt sagen wir mal über Josef am 1. Advent sein, die ganz bewusst offen gehalten wird für das Weiter-Erzählen der Gemeinde. Über den Advent hinweg werden weitere Perspektiven auf Josef und seine Geschichte und auf unsere heutige, meine eigene Josefs-Geschichte gefunden. So unterschiedlich die beteiligten Personen sind, so unterschiedlich werden ihre Zugänge und Erzählungen sein. Was wird der Frauen-Kreis predigen? Was die Junge Gemeinde? Welche Form werden sie ihrer Predigt geben? Ein Video, eine Abendandacht in der Kirche, ein selbstgestaltetes Radioprogramm mit Musik und Gesprächen, etc. ? Die Sonntagspredigten bis zum 4. Advent begleiten das gemeinsame Erzählen der Gemeinde, in dem sie Perspektiven verknüpfen, Meinungen gegenüberstellen (nicht auflösen), wenn nötig Impulse geben oder im Lichte der Bibel oder theologischer Überzeugungen Einsprüche formulieren. Das alles aber auf Augenhöhe. Die gemeinsame Erzählung darf nicht zum Reservoir der pfarrherrlichen Sonntagspredigt degenerieren.

Jede Gruppe bestimmt darüber hinaus einen Berichterstatter, der im Stile kurzer Episteln (Blog) über das Nachdenken in der Gruppe, also den Prozess des Erzählens, schreibt. Welche Gedanken haben uns bewegt und haben es trotzdem nicht in unsere Geschichte geschafft?

Das alles muss offen, halbfertig und unabgeschlossen sein. Ziel ist keine Heidschi-Bum-Beidschi-Verkündigung hin zur Krippe, sondern das faire, gemeinsame Nachdenken über unsere Welt, meine/unsere Verantwortung in ihr, mein Dasein vor Gott.

2 Kommentare

  1. Das Thema hört sich interessant an, deshalb wollte ich den Text lesen. Leider kann ich außer der Überschrift nichts entdecken.
    Da ist wohl was schief gelaufen.
    Liebe Grüße
    Uwe Hermann

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