Ethisch korrektes Bloggen – Webmaster Friday

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Freundlicherweise hat der Webmaster Friday diese Woche meinen Vorschlag aufgenommen, einmal über ethisch korrektes Bloggen zu schreiben. Mich freut es aus zwei Gründen, dass der Webmaster Friday sich dieses Themas annimmt. Erstens, weil ich auf die vielen Beiträge anderer Blogger gespannt bin. Zweitens, weil Ethik und öffentliche Moral eben im Diskurs entstehen. Dazu bietet eine solche Aktion wiedereinmal Anlass. Zentral scheinen mir hier zwei vermeintliche Grundwerte des Bloggings zu sein: Unabhängigkeit und Transparenz. Ich möchte mich in meinem Beitrag auf ein paar Ausführungen dazu beschränken.

Das Problem von Grundwerten
Zu Beginn sollte aber das Konstrukt vermeintlicher Grundwerte problematisiert werden. Blogger verfolgen mit ihrer Schreiberei unterschiedliche Ziele. Für den einen mag es ausreichen, seine Gedanken einfach mal losgeworden zu sein. Manch anderer verfolgt größere Ziele. Diese müssen noch nicht einmal merkantilen Charakter haben. Einfach gesagt: manche behandeln die von ihnen angefertigten Texte, Podcasts, Bilder und Videos wie Geschenke, andere nehmen ihre Erzeugnisse als Ware war (auch wenn sie nicht „verkauft“ wird). Daraus ergeben sich unterschiedliche Richtlinien für den Austausch dieser Erzeugnisse.

Über die Qualität eines Geschenkes wird man sich – vor allem öffentlich – nicht beschweren wollen, auch wenn so manche Kommentardiskussion uns da Lügen straft. Ebenso unterliegt das Geschäftsleben eigenen Regeln. Man wird wohl also davon ausgehen müssen, dass im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben unterschiedliche Verhaltensmuster erlaubt sind und praktiziert werden. Gleichwohl sind davon nicht alle gleich angemessen und fair.

Unabhängigkeit
Am letzten Wochenende saß ich mit den Kollegen von theologiestudierende.de zusammen. Einen kleinen Teil unserer Besprechung im Rahmen der SETh-VV in Halle widmeten wir dem Austausch darüber, ob in einiger Zukunft auch Werbung, z.B. theologischer Verlage, auf den Seiten dieses Blogs erscheinen soll. Einmal losgelöst von den rechtlichen Fragen ging es in unserer Diskussion darum, ob denn das Projekt dadurch an Unabhängigkeit verlöre. Einmal unterstellt, die Buchverlage mischten sich nicht in die inhaltliche und formale Gestaltung der Seite ein, so würde doch zumindest der ehrenamtliche und „hobbymäßige“ Charakter des Projekts dadurch empfindlich abgemildert werden.

Den Umgang mit der eigenen Unabhängigkeit bestimmt jeder Blogger selbst. Doch sollte man sich nichts vormachen: durch die Hereinnahme von Werbung oder den Verkauf von Links gibt man ein eindeutiges Statement ab: hier wird eine Ware angeboten. Doch Unabhängigkeit sollte nicht nur gegenüber eventuellen Geldgebern und Werbepartnern gewahrt werden. Ich möchte schon gerne wissen, ob ein Politikblogger einer bestimmten Partei zuzurechnen  oder ein christlicher Blogger mit einer bestimmten Kirche assoziert ist.

Ich selbst suche beim Lesen von Blogs eben diese unabhängige Meinung. Sie ist ein hohes Gut, dass man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte.

Transparenz
Damit soll nicht gesagt sein, dass alle gewerbsmäßigen Blogger liderliche Wichte und Betrüger seien. Doch kommt es hier mehr noch als sonst auf die geübte Transparenz im Umgang mit den Lesern an. Ja, ich möchte wissen, von wem der Blogger Geld bekommt, wenn er welches erhält – egal ob für Artikel oder Links. Ansonsten könnte ich auch gleich die BILD lesen. Ja, ich möchte wissen, wenn ein Blogger mehr als üblich Daten über mein Nutzungsverhalten auf seiner Seite erhebt. Sonst könnte ich mir auch gleich eine Payback-Karte besorgen.

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Das besondere Augenmerk, das Blogger auf Transparenz legen sollten, hört aber nicht an den Grenzen der Erwerbstätigkeit auf. Auch von Hobbybloggern erwarte ich als Leser diese Transparenz. Als Grundregel könnte gelten: Alles das, was meine Unabhängigkeit auch nur am Rande einschränken könnte, gehört bekanntgemacht. Dazu genügt ein kleiner Hinweis im Text. Ich als Leser kann dann für mich entscheiden, dem Geschriebenen Glauben zu schenken oder nicht. Ähnliches gilt auch von Angaben über den Blog selbst, den praktizierten Umgang mit Kommentaren, etc. Nach dem Motto: was ich weiß, macht mich nicht heiß; kann man dann z.B. auch verstehen, warum ein Blogger auf Kommentare verzichtet.

Höhere Transparenz
Es gibt jedoch auch Fälle, da rechtfertigt meiner Meinung nach ein höherer Zweck intransparente Blogführung. Z. B. wenn ein Angestellter eines großen Konzernes über Betriebsinterna schreibt. Hier kann sich der „Whistleblower“ seinen Persönlichkeitsschutz einräumen. Auch einige Bloggerinnen, die ansonsten wohl unter dem Ansturm der Idiotie verzweifeln würden, sind auf Einschränkungen der Transparenz angewiesen. Da geht es häufig um Privates, das tatsächlich niemanden etwas angeht.

Diskussion und Label
Vor allem scheint mir eine fortschreitende Diskussion, und auch eine Vertiefung dieser, unter Bloggern notwendig. Das Besondere an dieser Form des „Publizierens“ sollte erhalten bleiben. Da hoffe ich, sind wir alle einer Meinung. Vielleicht lässt sich ethisch korrektes Bloggen ja vielleicht irgendwann auf den ersten Blick erkennen. Z. B. wenn den entsprechenden Blog ein „Fair-Use“-Label schmückt.

PS:
Ich hatte versprochen, am letzten Wochenende hier meine Favoriten nachzutragen. Das ist nicht ganz vergessen. Es sind nicht ganz so viele, da sich zahlreiche Beiträge auf die Reflexion und Rechtfertigung eigener Geschäftspraktiken bezogen oder lediglich Stubs mit wenig Tiefe gepostet wurden.

Netzexil: Korrekt gebloggt, ey
WP-Zone: Ethik und Moral – Stolperfalle soziale Netzwerke
g4s3: Das liebe Bloggen und die Monetarisierung

8 Kommentare

  1. Pingback: Ethik und Moral | Henry SchmidHenry Schmid

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  3. Danke für das Anregen des dieswöchigen Webmasterfriday Themas,

    Ich kann von meiner Seite nur als Webmaster sprechen der auch Geld mit seinen Publikationen über Werbung verdient. Das Problem ist halt das die meisten Auftraggeber nicht wünschen das Advertorials als solche gekennzeichnet werden.

    Und wenn man da nicht mitspielt dann spielt man halt nicht mit 🙂
    Der kleine Blogger der gerne über sein Hobby schreibt und dann einen Testbericht über ein Produkt verfasst, für dessen Verkauf es eine Provision gibt handelt doch in hohen Maße moralisch da er ja wirkliche nützliche Ratschläge an seine Mitmenschen weitergibt auch wenn er für die Verkaufsvermittlung eine Provision erhält.

    Wenn natürlich einer einen gefakten Testbericht schreibt z.B. über ein Abnehmprodukt und dreist behauptet er habe in drei Wochen 10 Kilo damit abgenommen und seine Tante seine Schwester ebenfalls dann ist dies natürlich nicht ok.
    Es gibt immer verschiedene Ansichten und Auslegungen.
    Mal schauen was die Zukunft bringt.

    Viele Grüße aus dem Erzgebirge.
    Lothar

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  5. Man sollte halt klar unterscheiden können, ob es sich beim gerade gelesenen Blog um ein kommerzielles Angebot handelt oder nicht. Das wäre meiner Meinung nach Moral genug, denn dem Leser ist es eigentlich egal ob ein Link gratis, bezahlt, dofollow oder nofollow oder sonst was ist.

  6. Pingback: Moral eines Bloggers | Infopool für Webmaster und Blogger

  7. Hey,

    danke für den lieben Backlink, da freue ich mich doch, wenn Dir anscheinend mein Beitrag zum WMF letzte Woche zugesagt hat und anscheinend auch so weit aus der Masse gestochen hat, dass Du ihn in die besten drei – nach deiner Meinung – aufgenommen hast.

    Liebe Grüße,
    g4s3

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