Auf Geisterjagd

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Wir feiern Reformationsjubiläum, am kommenden Freitag ist es wieder soweit, diesmal zum 497. Mal. Doch hat auch hierzulande der heidnische Brauch des Halloween-Festes die feierliche Erinnerung der Reformation verdrängt. Und es sind nicht nur die „neuen Heiden“, die Halloween feiern, viele Christen nehmen am Spektakel teil. Eine Polemik.

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Einige Kirchenleute kämpfen noch. Sie versuchen sich Halloween zu erwehren. Das Fest wird als heidnischer Brauch denunziert, obwohl er ebenso starke christliche Wurzeln hat, wie keltische Ursprünge. Sie geißeln den kommerziellen Hintergrund des Festes, das sich natürlich an Kinder richtet und kritisieren, dass bei dieser Gelegenheit noch mehr Süßigkeiten, Spielzeug und Kram vertickt werden. Manche theologische Kritik geht so weit zu behaupten, dass die „Geisterwelt“, das Abseitige, Dunkle, Geheimnissvolle für Christen nicht von Bedeutung wäre. Ja, dass es unter Christen keinen Platz für den Glauben an Gespenster, Verstorbene, die nicht zur Ruhe kommen, gebe.

Natürlich ist das alles eine lächerliche Verkürzung der Lage. Auf der ganzen Welt gibt es christliche Bräuche, die deutschen Protestanten unbekannt sind und so gar nicht in den Kram passen dürften. Sie folgen häufig nicht der reinen Lehre, sind Verknotungen mit alten Volkstraditionen und animistischen Bräuchen. Gerade deshalb haben sie auch mehr Fleisch, verströmen Düfte und animieren zum Mitmachen. Dagegen stinkt die deutsche Festpraxis des Reformationstages ab.

Da ändert auch das Reformationsjubiläumsbohei der EKD nichts dran, auch keine Luther-Verehrung mit passendem Merchandising und Bonbonschleuder und erst recht nicht das beleidigte Schmollen der Kirchenleute, die „neuen Heiden“ wüssten halt einfach nicht, was gut für sie ist. Wenn es uns mit dem Reformationsfest ernst ist, dann muss es eben das bleiben: „ernst“, so richtig trocken protestantisch.

Von den Heiden lernen

Man muss den Reformationstag nicht gegen Halloween auspielen und umgekehrt. Was stattdessen Not tut, ist, Halloween als christliches Fest (wieder-)zuentdecken. Denn, lasst uns ehrlich miteinander sein: Halloween wird nicht einfach wieder verschwinden. Es geht darum, Halloween für das Evangelium zu reklamieren, in Besitz zu nehmen. Dafür muss man es natürlich erst einmal voll und ganz mitfeiern! Das ließe sich tatsächlich von den Heiden unter uns lernen.

Denn worum geht es? Um den Spaß am Verkleiden, in eine andere Rolle zu schlüpfen, die Nacht zum Tage zu machen, sich ein wenig zu fürchten, gemeinsam unterwegs zu sein, Süßes oder Saures zu schmecken, zu lärmen und die bösen Geister zu verscheuchen. Darin kann ich beim besten Willen nichts Schlechtes sehen. Und auch nichts, was dem Evangelium entgegen stünde.

Macht Euch mal locker!

Und wenn wir uns alle mal locker gemacht und Spaß an Halloween gefunden haben, dann, ja, dann können wir anfangen, anders über All Hallow’s Eve zu reden. Vielleicht ja so ähnlich wie im untenstehenden Video. Dann ist es Zeit, das Fest in die Kirchenmauern zurück zu holen, in denen kann man sich auch fürchterlich fürchten. Und was spricht eigentlich gegen eine Geisternacht in der Kirche? Das bedeutet im Übrigen nicht, dass der Reformationstag nicht gefeiert gehört: Am Morgen Reformationssause bitte ohne unsinnigen Kladderadatsch, am Abend dann raus zur Geisterjagd!


Dieser Artikel erschien am 27. Oktober 2014 als Teil der wöchentlichen Kolumne „Moment mal“ auf theologiestudierende.de .

2 Kommentare

  1. Reformationstag muß nicht Spaß machen und Kirche und Glaube sind nicht nunmal keine Karnevalsveranstaltung, sondern bedürfen eines ernsten Strebens nach wahrhaft christlicher Lebensführung.

    Da kommt es eben einer ganz bewußten Enstcheidung gleich, sich nicht einem kurzzeitigen ausgelassenen Treiben hinzugeben, sondern für die innere Einkehr und Reflexion zu entscheiden. Das kann man von einem Protestanten erwarten.

    Allerdings will ich nicht ausschließen, daß man aus der Perspektive „unter Heiden“ zu anderen Schlüssen kommt.

    • Ja, genau das meine ich mit der Perspektive „unter Heiden“!

      Ich weiß auch nicht, warum sich die „Hingabe“ an ein kurzzeitiges, ausgelassenes Treiben und Reflexion und Einkehr gegenseitig ausschließen müssen.

      Das was Du von Protestanten erwartest, ist mir dann doch zu puritanisch und unspaßig. Wer hat gesagt, dass Glauben keine Freude machen darf?

      (Was von Protestanten zu erwarten ist, wird ja unter Protestanten zum Glück nicht einfach dogmatisch festgelegt, nicht wahr?)

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