Leser-Lektorat und Feedback-Faulheit

Ich bin mir ja nicht immer sicher, ob sich die Qualität der Texte in Blogs von denen auf den Nachrichtenportalen der Verlage wirklich so stark unterscheidet. Den Kampfbegriff „Qualitätsjournalismus“ versuche ich möglichst zu umgehen. Einen Unterschied bei der Veröffentlichung der Artikel sollte man aber eigentlich nicht übersehen können: das Lektorat der Nachrichtenredaktion.

Täusche ich mich, oder werden die Texte auf den großen deutschen Nachrichtenportalen immer fehlerhafter? Wird da am Lektorat und Korrektorat gespart? Liest da niemand gründlich gegen? Besonders SPIEGELonline fällt mir in diesem Zusammenhang in letzter Zeit massiv auf. Fast jeder dritte Artikel, den ich lese, enthält einen Fehler. Sei es ein einfacher Vertipper, das Fehlen eines notwendigen Wortes, ein falscher grammatikalischer Bezug: es sammelt sich an. Klar, das passiert im Tagesgeschäft nun mal. Vor allem, wenn es darum geht, mit einer leicht modifizierten dpa-Meldung als Erster auf der Startseite zu erscheinen.

Leserlektorat
Besonders ärgerlich wird es bei SPIEGELonline dann, wenn selbst die Hinweise aus der Leserschaft nicht aufgenommen werden. Wozu gibt es denn dann die, wenn auch schwer zugängliche, Möglichkeit der Fehleranzeige? Nur ein Beispiel: Am 19. März 2013 teilte ich der Onlineredaktion mit, dass sich in eine ihrer zahllosen Bildergalerien eine falsche Bildbeschreibung eingeschlichen hat. Das tat ich mit dem Formular auf dem Portal und per Twitter, eine Reaktion oder gar eine Korrektur ist bis heute ausgeblieben. Nach wie vor behauptet man, dass das Bild eine Aufnahme aus Camp David sei, obwohl das Foto eindeutig den Südrasen des Weißen Hauses zeigt (und im Hintergrund das Washington Monument). Ein Monat ist also vergangen, ohne dass irgendwas passiert ist?!

Wie es anders geht
Vor ein paar Tagen dankte Stefan Plöchinger, der Chefredakteur von Süddeutsche.de, den Lesern seines Nachrichtenportals für die fleißige Nutzung des Feedback-Buttons und lobte sich so gleichsam ein wenig mit. Neugierig darauf, wie man bei der SZ tatsächlich mit Fehlermeldungen durch die Leser umgeht, probierte ich das am letzten Freitagabend gleich mal aus.

In diesem Artikel über den scheidenden Tagesschau-Sprecher Marc Bator fand ich drei Tippfehler (und ein ziemlich verwirrendes Bild des schnuckeligen Moderators). Aus Bator wurde gleich zweimal ein Herr Bartor und auch über die Regelung seiner Nachofolge wurde berichtet. Bereits eine gute halbe Stunde nachdem ich über die Feedback-Funktion die Fehler gemeldet hatte, waren sie aus dem Text verschwunden und in meinem Email-Postfach fand sich eine freundliche Dankesadresse (das Bild wurde beibehalten). Das alles deutlich nach Feierabendszeit gegen 20 Uhr an einem Freitag.

Plöchinger selbst sprach in einem Interview zu seinem Amtsantritt als Chefredakteur davon, dass die Leser auf Süddeutsche.de kommen, weil sie wissen und verstehen wollen, was auf der Welt los ist: „Unsere erste Aufgabe ist es also, das Weltgeschehen gut abzubilden – und es besser zu erklären als die anderen Portale.“ Schön, wenn man dazu ein gutes Lektorat hat; auch gut, wenn man seine Leser und ihre Kritik ernst nimmt.

Was ich mir noch wünsche, ist, dass Süddeutsche.de häufiger darauf verzichtet, den blöden Wettlauf um die schnellste modifizierte Agenturmeldung gegen SPIEGELonline aufzunehmen. Plöchinger meinte dazu im obigen Interview: „Deutscher Onlinejournalismus hängt insgesamt noch zu sehr am klassischen Ticker.“ Dann lasst es doch einfach! Ich lese auch später noch eine ordentliche Einordnung oder einen gelungenen Kommentar.

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2 Kommentare

  1. In der Tat habe ich ebenfalls den Eindruck, dass die Texte der großen Zeitschriften und Zeitungen immer fehlerhafter werden. Oftmals begegnen einem sogar in der Überschift schon Fehler. Eigentlich ein absolutes Unding. Allerdings nehme ich persönlich an, dass der Zeitdruck ständig wächst, und – wie Sie bemerken – wahrscheinlich auch am Korrektorat/Lektorat gespart wird.
    Besserung wohl nicht in Aussicht…

  2. Allerdings. In letzter Zeit sehr häufig im Focus Online und der Welt Online…. Offenbar ist man der Meinung, bei online-Geschichten nachträglich immer noch schnell ausbessern zu können. Hauptsache erstmal raus…

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