Kirchendämmerung

Vor ein paar Wochen mutmaßte Reinhard Bingener für die F.A.Z. (leider nur noch kostenpflichtig im Archiv) darüber, dass die Evangelische Kirche der Konfrontation mit ihren Problemen aus dem Weg ginge – zumindest bis zum Reformationsjubiläum 2017. Mag sein. Auf alle Fälle geschieht zu wenig und einige haben es immer noch nicht läuten gehört.

Pensionen essen Kirche auf
Bingener bezieht sich in seinem Text vor allem auf die Frage nach der Bezahlbarkeit kirchlicher Aufgaben, Gehälter und Pensionen. Diese stellt sich vor allem wegen der erwartbar geringeren Kirchensteuereinnahmen. In einem Satz: Das Boot ist voll und es sinkt.

Entweder die Kirchen bedienen z.B. die Pensionen ihrer Pfarrerschaft i.R. bis zum bitteren Ende und zahlen sich in der Breite ihrer Aufgabenfelder um Kopf und Kragen oder es wird eine kreative Lösung gefunden. Warum dann nicht jetzt gleich?

Wie wäre es vielleicht mit einem freiwilligen Verzicht auf ein paar Prozente der Pensionszahlungen? Muss es eine verbindliche Lohn- und Pensionskürzung geben und zwar bald? Und wie organisiert man das? Oder wird die Sparerei weiter auf dem Rücken der nicht-ordinierten Kirchenmitarbeiter ausgetragen, die schon jetzt jämmerlich für ihre wichtige Arbeit entlohnt werden?

Denn von der Geldfrage ist vor allem die evangelische Pfarrerkirche betroffen und sie ist es, die ihr beharrlich ausweicht. Sitzt hier eine Generation ohne Blick für die Zukunft die Probleme aus? Ebenso müsste man Studierende warnen: Wer nichts von Kirchenreform wissen will, sollte besser nach einer anderen Aufgabe Ausschau halten.

Abschied von der Amtskirche
Doch es geht nicht nur um die Pensionen. Die evangelische Kirche hat sich daran gewöhnt, für alles mögliche Geld auszugeben. Ich mag Orgelmusik, aber nicht in jeder Kirche muss ein für mehrere zehntausend Euro saniertes Spitzeninstrument stehen. Ich mag das Geläut der Kirchenglocken, dafür muss keine neue Gloriosa gegossen werden.

Es ist schon erstaunlich: Manchenorts wird für viel Geld saniert, neu gebaut und Personal aufgestockt. Anderswo (z.B. in der Diakonie!) bewegen sich Arbeitsverhältnisse nahe an der Sittenwidrigkeit. Das ist vor allem schlechtes Managment.

Weniger ist mehr! Daran müssen wir uns überall gewohnen. Auch bei scheinbar randständigen Ausstattungsfragen in den Gemeinden. Eine bescheidenere Kirche, das wäre doch nicht schlecht. Abriss, Zusammenrücken und Weglassen schafft Raum für Neues. Und kreativer Rückbau tut Not.

Über alldem sollte die Frage stehen: Was wollen wir gemeinsam erreichen? Menschen. Kirche ist da, wo sich Glauben beheimaten kann. Und: love is where the heart is. Hat jemals jemand sein Herz an das Landeskirchenamt verloren?

Kirchendämmerung. Noch brennt in den Fenstern der evangelischen Landeskirchen Licht. Und es wird der Evangelischen Kirche auch ein Morgenlicht leuchten, hörte sie das alte Prophetenwort: Wie lange willst Du noch zögern und dich sträuben, Du widerspenstige Tochter? Der Herr schafft etwas völlig Neues auf der Erde …


Dieser Artikel erschien am 23. Februar 2015 als Teil der wöchentlichen Kolumne „Moment mal“ auf theologiestudierende.de.

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