7 andere gute Gründe für die Kirchensteuer

Dieser Beitrag bezieht sich direkt auf eine Diskussion auf dem evangelikalen Theoblog. Ich habe dort eine Lanze mehrere Lanzen für die Kirchensteuer gebrochen. Dieser Beitrag ist jetzt aber offensichtlich tatsächlich zu lang für die dortige Kommentarfunktion geworden.


Ich halte die Kirchensteuer nicht für das non plus ultra. Ich mag sie nur gegen ungerechtfertigte Kritik in Schutz genommen wissen. Es gibt da halt viele Missverständnisse, die in EKD-kritischen Kreisen wider besseres Faktenwissen gepflegt werden.

Die Kirchensteuer in Deutschland ist ja ein historisch (nahezu) einmaliges Konstrukt. Ich bin daher weit davon entfernt, zu behaupten, es ginge gar nicht anders. Nur muss man auch einmal sehen, was mit den Kirchensteuermitteln so angestellt wird.

Bei der Kirchensteuer handelt es sich in Anlehnung an den Wirtschaftssprech momentan um eine win-win-win-Situation. Das Kirchenmitglied muss sich um seinen Beitrag nicht weiter kümmern, weil der direkt mit der Einkommenssteuer eingezogen wird. Die Kirchen werden ausreichend und verlässlich finanziert. Und (!): Der Staat erhält für seine Dienstleistung ein erhebliches „Honorar“, auf das er ungern verzichten will.

Also: rein praktisch will da in Dtl. auch politisch niemand etwas ändern, der den Prozess der Kirchensteuererhebung verstanden hat. Natürlich (s. Meuthen) macht es sich in bestimmten Kreisen ganz formidabel, die Abschaffung der Kirchensteuer trotzdem zu fordern.

Darüber hinaus hat die Kirchensteuer weitere Vorteile, die ich wichtig finde und mit denen manch andere Finanzierungsmodelle schwer Schritt halten können:

1) Es ist ein solidarisches System. Die Höhe der zu zahlenden Kirchensteuer hängt an der Höhe der Einkommenssteuer und die hängt an der Höhe des Einkommens. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert. Und wer nichts oder wenig hat, der braucht gar nicht oder nur wenig zu zahlen. Ich halte die progressive Kirchensteuer Systemen wie dem Zehnten oder der muslimischen Zakat für überlegen, weil Sie die finanziell Starken stärker in die Pflicht nimmt!

Bitte unterschätzen Sie nicht, wie viel der kirchlichen Arbeit sich an Menschen richtet, die überhaupt keine Kirchensteuer zahlen (Kinder, Jugendliche, Alte, Kranke, Nicht-Kirchenmitglieder, etc.). Wenn’s ums Geld geht, sind sich viele Menschen – auch Christen –  selbst die Nächsten. Die Kirchensteuer verteilt da in gutem Sinne um.

2) Daraus ergibt sich auch: Das Geld wandert eben nicht nur in die eigene Gemeinde. Die Kirchensteuer und die dahinter liegenden Verteilschlüssel sorgen dafür, dass kirchliche Angebote auch in Gegenden, die wirtschaftlich schwach sind bzw. mit geringer Kirchenmitgliedschaft, aufrecht erhalten werden können. Außerdem sorgt sie dafür, dass gemeinsame Aufgaben wie Ausbildung, Forschung, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying auch gemeinsam finanziert werden.

3) Durch die Kirchensteuer beteiligen sich Menschen an der Finanzierung aller kirchlichen Aufgabenfelder. D.h. es werden nicht nur Aufgaben unterstützt, die man persönlich, vielleicht aus biographischen Gründen, für wertvoll hält. Warum sollte ein Mittzwanziger sich um Seniorenarbeit, eine Oma um die Reform des Gottesdienstes scheren? Die Kirchensteuer ist nicht „zweckgebunden“ und daher weniger anfällig für Partikularinteressen der Mitgliederschaft. Ein nicht unerheblicher Teil fließt ja auch in die „Kulturpflege“. Es schreien zwar viele nach christlich-abendländischer Kultur, aber wer zahlt denn?

4) Die Kirchensteuer macht unabhängig. Ich kenne das aus dem Vereinsleben auch anders: Wer viel gibt, will auch viel zu sagen haben.

5) Die Kirchensteuer ist verlässlich. Das Steueraufkommen lässt sich ganz gut prognostizieren, so dass auch langfristig geplant werden kann. Wir wissen, dass das Spendenaufkommen von konjunkturellen Rahmenbedingungen abhängt. Ich würde mich unwohl dabei fühlen, z.B. einen großen Kredit für die Kirchensanierung oder den Gemeindehausneubau aufzunehmen, ohne zu wissen ob und wie viel meine Mitglieder so gnädig sind, mir in den nächsten Jahren zukommen zu lassen.

6) Aus 5) ergibt sich auch die Möglichkeit einer stabilen Personalplanung. Wir wissen auf zehn Jahre im Voraus, wie viel Geld da sein wird und wie viel Personal z.B. wir uns davon leisten können. Deshalb sollte in den Landeskirchen keiner nach befristeten Verträgen oder plötzlich seinen Arbeitsplatz räumen. Planungssicherheit für die kirchlichen Mitarbeiter ist ein hohes Gut, weil sie – wie wir wissen – z.B. einen großen Einfluss auf die Familienplanung hat.

7) Das Einzugssystem ist staatlicherseits und was die Weiterverteilung durch die Kirchenämter angeht ziemlich „günstig“ organisiert. Stellen Sie sich einmal vor, was für einen Arbeits- und Personalaufwand es bedeutete, Mitgliedsbeiträge in jeder Gemeinde abzurechnen. Das wird jeder, der einem Verein angehört, nachvollziehen können. Vor allem wenn er darum weiß, dass Gemeinden der Landeskirchen zwischen 1000 – 6500 Mitgliedern zählen. Und sollte diese Verwaltungsarbeit dann ehrenamtlich erledigt werden? Da habe ich lieber Profis am Werk, die von ihrer Arbeit auch leben können. Im Übrigen verhindert das System dadurch auch Missbrauch der Kirchenmittel.

Die Liste ließe sich bei Bedarf sicher noch fortsetzen. Sie sehen, wenn man es sich einmal gründlich überlegt, hat die Kirchensteuer durchaus ihre Vorteile. Ich sage nicht, dass nicht auch ein anderes Finanzierungssystem funktionieren könnte und einige Aspekte davon aufnehmen. Ich meine aber: Die Kirchensteuer ist nicht so schlecht, wie Sie von einigen gemacht wird.


PS: Da es sich bei diesem Beitrag ursprünglich um einen Kommentar handelt, bitte ich darum, Ungenauigkeiten mit Nachsicht zu begegnen. Sollte ich etwas falsch dargestellt haben, freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren.

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