Mein Abschied von SpiegelOnline und warum auch Du Nachrichten woanders lesen solltest

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SpiegelOnline ist gleich nach Bild.de die erfolgreichste Online-Nachrichten-Website in Deutschland. Jedermann liest dort irgendeinen Artikel irgendwann einmal. Anders als bei der Konkurrenz von Bild.de erwartete man bei der Marke SPIEGEL aber nicht den üblichen Boulevard-Dreck, um so ärgerlicher ist es, dass SpiegelOnline sich kaum noch vom Springer-Schlachtschiff zu unterscheiden scheint.

Ich lese seit 7 Jahren meine Nachrichten im Netz. Anfangs weiterhin ergänzt durch Printprodukte, inzwischen nahezu ausschließlich. Der letzte gedruckte SPIEGEL, den ich in der Hand hatte, wurde noch im letzten Jahrzehnt gedruckt. Ich war nie Teil der SPON-Community, Gott bewahre. Aber wie so viele Leute habe ich jeden Tag meine Nachrichten (auch) bei SpiegelOnline gelesen. Das ist in den letzten Monaten immer mehr zurückgegangen und jetzt stelle ich meine Nutzung von SpiegelOnline bewusst ein. Warum?

Alle Welt „druckt“ Agenturmeldungen nahezu unbearbeitet ab. Lokalzeitungen ebenso wie Onlinemedien, von der Süddeutschen Zeitung bis zur F.A.Z.. Getrieben von Klickzahlen und dem Zwang ja der Erste zu sein, der eine Meldung auf die Seite bringt, hauen sie alle eine unreflektierte Meldung nach der nächsten raus. Ich finde das Mist, aber es ist nun einmal so. Zur Kunstform hat diesen Herdentrieb aber die Redaktion von SpiegelOnline erhoben. Klar erkennbar der Ehrgeiz, noch jede kleinste Meldung zu buzzen, gerne auch als Eilmeldung ohne wirkliche Relevanz für den Weltenlauf (Bundesliga!). Da hab ich keinen Bock mehr drauf. Und die Agenturmeldungen gehen mir ja auch bei den anderen nicht verloren.

Ich mag keine Artikel von Nikolaus Blome lesen. Habe ich früher nur mit Ekelgefühlen, muss ich auch jetzt nicht machen, bloß weil er einen anderen Arbeitgeber hat.

Ich bin ein Anhänger davon, dass Journalisten wenigstens den Versuch unternehmen sollten, Antworten zu geben. SpiegelOnline aber reißt Themen nur an, versieht sie allzu häufig mit einsichtigen, ja naiven, Einschätzungen oder lässt Fragen gleich so stehen, wie sie den Redakteuren in die Köpfe geploppt sind. Alles Beispiele aus den letzten Tagen. Hab ich nichts von, jedenfalls nichts mit Substanz.

Sowas rührt dann einfach auch an eine grundsätzliche Haltung. Die gefällt mir nicht mehr.

Neben dem Nachrichtenschrott (s.o.) gibt es bei SpiegelOnline talentierte Kommentatoren. Aber nur wegen ihnen muss ich nicht mehr kommen. Was Augstein und Burmester zu sagen haben ist erwartbar genug, Fleischhauer so transparent wie Klarsichtfolie, für Lobo und und Sybille Berg ließe sich bei Gelegenheit ne Ausnahme machen. Oder noch besser: Wechselt doch einfach woanders hin, bitte!

An Nachrichtenredaktionen kann man immer viel kritisieren, es ist Berufsrisiko von Journalisten auch Fehler zu machen. Für den Spiegel ist da ja die SPIEGELKritik unterwegs. Was mir aber nicht passt ist die Arroganz, mit der auch SpiegelOnline seine Kritiker abweist. Und ich meine damit gar nicht nur die großen Sachen, die Medienjournalisten mindestens im Monatstakt auspacken und die mich – der ich mit einer hohen Meinung von der Haltung des SPIEGEL gesegnet war – immer wieder verblüffen. (An dieser Stelle eine kleine Erinnerung an die SPIEGEL-Geschichte über Halle und Karamba Diaby und das anschließende „Nachgehen“ im hauseigenen Blog.) Ich meine auch den Umgang mit den kleinen Verbesserungen und Hinweisen normaler Nutzer. Bei Süddeutsche.de und Zeit.de funzt das. Bei SpiegelOnline wird imho kaum etwas korrigiert, geschweige denn sich im Nachhinein für Hinweise bedankt. Nein danke.

Das waren jetzt 6 1/2 Gründe. Genug für mich. Ich hab keine Liste draus gemacht, weil das macht man jetzt nicht mehr so.

Adieu Spiegel!

7 Kommentare

  1. Spiegelblog bitte nicht mit Bildblog verwechseln. Das Spiegelblog wird vom AIDS-Leugner Tortsen Engelbrecht geschrieben und verfolgt ne eigene Agenda: http://wortvogel.de/2009/01/spiegelblog-uber-die-fahigkeit-zur-kritik-und-die-unfahigkeit-zur-selbstkritik/

  2. keine große Sache, es gibt ja viele andere Nachrichtenseiten

  3. Im großen und ganzen Stimme ich zu, den Umgang mit Fehlern und Korrekturen bei zeit online finde ich jedoch – aus eigener erfahrung – auch nicht vorbildlich. Spitze ist da ganz klar sueddeutsche.de.

    • Das ist ja nur mein letzter und sicher nicht der wichtigste Grund. Ich halte es einfach für eine Frage der Höflichkeit, wenn man dann korrigiert, dem Meldenden eine Rückmeldung zu geben. Mein größeres Problem ist aber nicht die Unhöflichkeit, sondern der mangelnde Anstand der Seite.

  4. Für mich stellt sich die Frage: Wo findet man gute Nachrichten? Und wo entsprechend gute Blogs? Da bin ich immer froh über gute Empfehlungen.

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