Oben und dahinter – Predigt zu Lätare 2015 in der Christuskirche Halle

Diese Predigt habe ich im Gottesdienst zu Lätare am 15. März 2015 in der Christuskirche Halle (Saale) gehalten. Predigttext war Johannes 12, 20-25.

„Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.“

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Liebe Gemeinde,
haben sie schon einmal vom Animationsfilm „Oben“ gehört? Der ist ganz wunderbar gemacht. Erzählt wird die Lebensgeschichte eines Mannes, Carl Fredricksen. Zu Beginn des Filmes erleben wir in einem Zeitraffer sein Leben von Kindheit an: Wie er als abenteuerlustiger Junge auf Ellie trifft, ein aufgewecktes, freches, ebenso abenteuerdurstiges Mädchen. Wie sie fortan gemeinsam ihr Leben gestalten. Heiraten, den Versuch unternehmen eine Familie zu gründen. Wir sehen die Vorbereitungen auf die Geburt des Kindes und auch, dass Ellie das Kind verliert. Wir sehen die Trauer in beiden – gezeichneten, animierten und trotzdem zu Herzen gehenden – Gesichtern. „Oben und dahinter – Predigt zu Lätare 2015 in der Christuskirche Halle“ weiterlesen

Kritisches – #Longreads über Kritik, Kritiker und Kritisierte

Die Kritik ist leicht, die Kunst ist schwer.

(Philipp Destouches)

Es wird ja viel kritisiert. Auch im Internet, hab ich mir sagen lassen. Viele Kritiken kommen eher unflätig daher, doch auch eine Kritik kann kunstfertig verfasst sein. Das ist immer dann der Fall, wenn die Kritik und ihre Form zum gewünschten Publikum passt. Deshalb stelle ich heute einmal vier Kritiken vor. Lange Texte (#Longreads), die man an einem Schlechtwetternachmittag gut lesen kann. „Kritisches – #Longreads über Kritik, Kritiker und Kritisierte“ weiterlesen

Ich hab keine Angst

Gestern auf dem Weg nach Hause von der Christvesper spazierte ein kleines Mädchen vor mir. Ihr Bruder versteckte sich vor ihr hinter der nächsten Hecke und sprang, als sie sich näherte, hervor. Ein bisschen erschrak sie schon, doch dann setzte sie in einen kleinen Singsang ein „Ich hab keine Angst, nein, ich hab keine Angst.“

Maria Aljochina, die für das Punk-Gebet gegen Putin, das sie und ihre Mitstreiterinnen von Pussy-Riot durchführten, im Gefängnis landete, gab nach ihrer Freilassung kurz vor Weihnachten zu Protokoll: „Ich habe keine Angst vor gar nichts mehr.“ Sie wird sich manche Nacht gefürchtet haben, die sie in den russischen Straflagern zubrachte. Doch mit ihrer Angst wuchs auch ihr Zorn. Aus diesem Zorn speist sich Mut. Mut ist geläuterte Angst.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.“ Mit dem 23. Psalm sind Generationen von Christen gestorben. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Es mangelt selten an Gelegenheiten, die Gnade Gottes herauszufordern. Das finstere Tal muss nicht  lebensbedrohliche Krankheit sein, sondern kommt in allen Formen und Größen.

Der Glaube ist keine Versicherung gegen die Angst, als wenn der, der glaubt sich nicht fürchten und ängstigen würde. Auch unter Christen ist viel Heulen und Zähneklappern, fährt die Angst in die Glieder. Dann aber kommt es darauf an, was wir mit unserer Angst anstellen.

Zu Weihnachten erinnern wir uns an den Ruf der Engel „Fürchtet Euch nicht!“. Nach dem Erschrecken werden wir angesprochen. Im Tal kommt jemand uns entgegen, im Unglück teilt sich uns etwas mit. Der trotzige Wille zum Weitergehen, so mag man es nennen, woher speist er sich?

Zu Weihnachten enden die Reisen in den Kirchen immer an der Krippe, mag es sich um den Aufbruch der Weisen, die Eile der Hirten oder den Spaziergang der Gottesdienstbesucher handeln. Die Krippe symbolisiert das Mehr des christlichen Glaubens, das wir zu Weihnachten verkünden. Aber die Krippe – der Ort an dem Gott ins Fleisch kommt – ist nicht in unserem Besitz, nur die Nachbauten, die den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden versteckt werden.

Die Krippe steht allda, wo sich zur Angst auch Zorn und Mut gesellen, wo getrost eingeschlafen werden kann im Angesicht der Furcht, wo ein kleiner weihnachtlicher Singsang gegen die Angst angestimmt wird. „Ich fürchte mich nicht, nein, ich fürchte mich nicht.“

Frohe Weihnachten!