Rezension – „Neues Testament. Zentrale Themen“ von Lukas Bormann (Hg.)

Was hat die Bibel uns noch zu sagen? Spielen das Alte und das Neue Testament für unsere Theologie überhaupt noch eine Rolle? Es ist doch wohl so: Auf der einen Seite des theologischen Spektrums tritt die Bibel – d.h. ihre Geschichten, ihr Drive, ihre Härten und Wunderlichkeiten – in den Hintergrund. Sie liefert nurmehr Stichwörter für eine Verkündigung, die sich nicht nur in der Sprache, – das ist notwendig – sondern auch dem Inhalt nach von ihr ganz weit entfernt hat.

Auf der anderen Seite der Theologie wird im Fahrwasser der dialektischen Theologie und unter dem Einfluß des Evangelikalismus die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Bibel auf dem Altar der Selbstgewissheit geopfert. Was dabei übrig bleibt an „biblischer Verkündigung“ mag dem Wortlaut dieser alten Schriften entsprechen, hat sich aber vielfach vom Geist des Gemeinten meilenweit entfernt. „Rezension – „Neues Testament. Zentrale Themen“ von Lukas Bormann (Hg.)“ weiterlesen

Das Geschenk des Lebens zurücklegen

Friedrich Wilhelm Graf, streitbarer Theologe aus München, schrub im MERKUR einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Sterbehilfedebatte. Auf theologiestudierende.de habe ich mich heute mit seinem Aufsatz auseinandergesetzt und einige eigene Gedanken hinzugefügt.

Hier entlang.

Und ein kleiner Appetithappen:

„Geschenk des Lebens“

Und so kommt Graf bei der Betrachtung der Rede vom „Geschenk des Lebens“ auch zur genau entgegengesetzten Überzeugung, dass man selbiges ebenso gut wieder in die Hände Gottes „zurücklegen“ könne. Einmal abgesehen von der etwas euphemistischen Metapher berührt Graf hier den eigentlich wunden Punkt der kirchlichen Debatte. Denn der Mensch sei eben nicht nur ein Geschöpf Gottes, sondern ein freies Geschöpf Gottes und somit in seiner imago dei auf die Erfüllung dieser seiner Freiheit verwiesen.

Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet das nichts anderes, als dass der selbstgewählte Tod nur die letzte und konsequente Ausübung der von Gott gestifteten menschlichen Freiheit sei. Mit Michael Frieß, seinem ehemaligen Assistenten, kann Graf vom Suizid als der „letzten irdischen Glaubenstat eines Christen“ sprechen. „Wer sein Leben in Gottes Hand zurückgibt, bekundet auf diese Weise elementares Gottvertrauen.“

Was heißt hier konservativ?

In der Sächsischen Landeskirche wurde in den letzten Jahren herzhaft diskutiert: über die Möglichkeit homosexueller Pfarrer_innen, mit ihren Partner_innen im Pfarrhaus zu leben und damit auch über die christliche Haltung zu Homosexualität im Allgemeinen, d.h. schlussendlich mal wieder über das Schriftprinzip. Wie sind die Bibelstellen zu verstehen, die homosexuelle Handlungen verdammen und was ist – wenn man so will – die Mitte der Schrift, wenn es um den heutigen Umgang mit homosexuellen oder transsexuellen Menschen geht? „Was heißt hier konservativ?“ weiterlesen

Mehr Streit, bitte! + Kein Jesus Christus im AT

Nicht dass es außerhalb der kleinen Binnenwelt der akademischen Theologie irgendjemanden interessiert, aber das Alte Testament steht mal wieder auf dem Spiel. Jedenfalls könnte man denken, dass es Prof. Notger Slenczka (Berlin) tatsächlich – wie es die F.A.Z. befürchtet – um die Abschaffung des Alten Testaments ginge. Wer sich die Mühe macht, Slenczkas Aufsatz „Die Kirche und das Alte Testament“ (immerhin 37 Seiten) zu lesen, dem wird zumindest aufgehen, dass sich sein Anliegen wohl kaum auf eine noch so griffige Schlagzeile herunterbrechen lässt. „Mehr Streit, bitte! + Kein Jesus Christus im AT“ weiterlesen