Zum 200. Geburtstag von Søren Kierkegaard

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Vor 200 Jahren wurde der dänische Philosoph Søren Kierkegaard geboren. Er wuchs in einem frommen Elternhaus auf, studierte Philosphie und protestantische Theologie. Er wurde einer der Wegbereiter der Exististenzphilosohie; Kirchenkritiker, Literat und Zweifler. Zum Ende seines Lebens ein Gescheiterter wird sein Werk bis heute intensiv rezipiert.

Gegen die verfasste Christenheit führte er einen breiten Gedanken des Christentums ins Feld. Dieses muss im Zweifelsfalle vor den Kirchen gerettet werden. Ausgangspunkt seines Denkens ist das Individuum, das er als erster Denker der Neuzeit radikal in das Zentrum seines Denkens stellt. Damit ist er bis in unsere Zeit hinein Türöffner, auch für die Kritik an übertriebenen und falschverstandenen Individualismus. Das Gewissen des „Ichs“ rückt in die volle Verantwortung, das verbindet ihn mit Luther und macht ihn zum Vater jedes Existentialisten.1 „Kierkegaard vertrieb die Philosophie aus der Sphäre lebensferner Spekulation. An ihre Stelle setzte er ein leidenschaftliches Denken, das uns alle angeht. Wer ihn liest, weiß nach einer halben Seite: Hier wird meine Sache verhandelt, meine Chance und mein Scheitern, meine Verzweiflung und meine Möglichkeit des Glücks.“2

Kierkegaard

Von seinem Tode an bis heute beriefen sich zahlreiche Philosophen und Theologen auf den bedeutendsten Philosophen Dänemarks. Ab den 1920er-Jahren rezipierten ihn vor allem die Vertreter der Dialektischen Theologie. Besonderes Einfluss hatte er auf das Denken Martin Heideggers. Ob sie auch seine beißende Kritik am „Establishment“, an den Honorationen in Kirche und Gesellschaft, mittrugen?

Zwei Auszüge aus seinem Tagebuch3 zeigen diese unbequeme Haltung, die auf gesellschaftliche Anerkennung verzichtet und ihren Bezugspunkt in der Tat jenseits unseres alltäglichen Religions- und Traditionsverständnisses nimmt.

Ernst und Ewigkeit
„Die meisten Menschen glauben, es sei ernst, ein Amt zu bekommen, aufzupassen, ob nun bald ein höheres Amt frei wird, um das sie sich bewerben könnten, und wie sie dann umziehen wollen, und was sie dann tun wollen, um sich einzurichten. Sie glauben, es sei Ernst, in Vornehme Gesellschaften zu gehen, sie bereiten sich auf ein Essen bei Seiner Exzellenz mehr vor als auf das Abendmahl, und wenn man sie unterwegs sieht, dann sehen sie so ernst aus, daß es ein Grauen ist. Seht, alles das kann ich gut verstehen, das einzige, was ich nicht verstehen kann, ist, daß, wenn dies Ernst ist, die Ewigkeit dann lauter Jux werden muß. Denn in der Ewigkeit gibt es weder Avancement noch Beförderung, auch gibt es da keinen Umzugstag oder Essen bei Exzellenzen.“

Wahre Lächerlichkeit
„In der prächtigen Schlosskirche tritt ein stattlicher Hofprediger, der Auserwählte des gebildeten Publikums, vor einen auserwählten Kreis von Vornehmen und Gebildeten und predigt gerührt über die Worte des Apostels: Gott erwählte das Niedere und Verachtete. Und da ist keiner, der lacht.“

Mehr:
Dokumentation der BBC Sea of Faith – youtube.de (englisch)
Der Begriff Angst – Sören Kierkegaard – DIE ZEIT vom 4. Februar 1983
Sören Kierkegaard als Medienkritiker – TheoBlog (Podcast)

1 Conscience in the Theology of Martin Luther and Søren Kierkegaard
2 Sören Kierkegaard: Das soll Philosophie sein? Und ob! – DiePresse.com
3 Texte von http://soren-kierkegaard.virtusens.de/

 

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