Pope out – 3 Gedanken zum Rücktritt Papst Benedikts XVI.

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Kinder, was für eine Überraschung, als heute am frühen Nachmittag die Nachricht vom geplanten Rücktritt des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche Papst Benedikt XVI. öffentlich wurde. Bei Twitter wurde #Papst zum heißesten Trend und die Nachrichtenredaktionen spuckten aus, was sie (teilweise offensichtlich schon länger) in den Schubladen hatten. Drei Gedanken purzelten mir ins Bewusstsein:

1) Keine schlechte Idee, dass mal wieder ein Papst zurücktritt.
2) Benedikt hat seine Aufgabe als Übergangs-Papst erfüllt.
3) Das gibt einen PR-Erfolg für die röm.-kath. Kirche.

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1) Keine schlechte Idee, dass mal wieder ein Papst zurücktritt.
Zwar schreibt Benedikt in seiner Rücktrittserklärung, dass sein Dienst im Amt „nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet“, trotzdem tritt er nun von seinem Amt zurück. Sein Vorgänger Johannes-Paul II. ließ die ganze Welt an seinem offensichtlichen Leiden anteilnehmen („Auch Jesus kletterte nicht vom Kreuz herab.“). Benedikt scheint in dieser Frage zum Glück ein Stück weiter zu denken. Ja, der Dienst an den Menschen im Namen des Herrn kann Leid beinhalten; ein Leiden an der Ungerechtigkeit der Welt und an der Seite der Benachteiligten. Es gilt manchmal, dieses Leid im Vertrauen auf Gott zu ertragen. Dabei kann es aber nicht um Leid gehen, dass wir uns mutwillig auferlegen, dazu gehört die Belastung der Kirchenleitung während einer schweren Krankheit oder bei Auflösung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten.

Vielleicht bleibt es ja nicht bei der (zweimaligen) geschichtlichen Anomalie, und ein gesundheits- und altersbedingter Rücktritt von Päpsten, Kardinälen und Bischöfen bürgert sich wieder neu ein oder wird gar in einem veränderten Kirchenrecht verpflichtend festgeschrieben. Es könnte der röm.-kath. Kirche nur gut tun, wenn ihre Hauptakteure nicht sämtlich jenseits der 70 wären.

 

2) Benedikt hat seine Aufgabe als Übergangs-Papst erfüllt.
Zu Beginn des Pontifikats Joseph Ratzingers sprachen viele Kommentatoren – gerade mit Blick auf sein Alter – von einem Übergangspapst. Er würde, mangels Alternativen, den Laden ein paar Jahr ohne Aufregung in konservativen Bahnen führen und dann recht bald Platz machen für einen Nachfolger. Trotz aller Skandale und einem gewaltigen Reformstau hat Ratzinger diese Erwartung tatsächlich erfüllt: die konservativen Kräfte konnten sich sicher sein, dass keine großen Veränderungen in Angriff genommen werden. Für das kommende Konklave stellen sich drei große Fragen: Welche Fraktion – liberal oder konservativ – kann sich durchsetzen? Wer findet zuerst einen konsensfähigen (und hoffentlich charismatischen) Kandidaten? Wird ein jüngerer Papst gewählt, der eine Reform-Periode einleiten kann; oder wiederum ein Vertreter des Status quo?

3) Das gibt einen PR-Erfolg für die röm.-kath. Kirche.



Die Berichterstattung rund um den Rücktritt des Papstes und die Wahl eines neuen Bischofs von Rom läuft gerade erst richtig warm und wird uns im Ernstfall die nächsten Monate begleiten. Die röm.-kath. Kirche wird viel (noch mehr) Sendezeit eingeräumt bekommen, mit entsprechend positiven Bildern. Die Bilder vom höfischen Zeremoniell werden die Beschäftigung mit den Zukunftsfragen der größten christlichen Denomination überlagern. Ob das wirklich gut ist?

PS: In diesem Beitrag blickt Dr. Werner Kleine von der Katholischen Citykirche Wuppertal auf die Woche des Papstrücktritts zurück. Sehr lohnenswert. Das Debattenmagazin The European führte ein Interview mit dem Journalisten Andreas Englisch, der den Papstrücktritt bereits letztes Jahr geahnt hatte: Der wahre Grund für den Rücktritt des Papstes.

5 Kommentare

  1. Besonders originell sind diese Gedanken aber nicht, vieles davon ist ja selbstverständlich. Es wird sich ohnehin nichts ändern.

    MFG
    Karl Meiser

  2. wenn der papst und die bischöfe sich an die Rente mit 67 halten würden, wäre uns allen geholfen

  3. Pingback: Kirche im Umbruch: Blick in die “Blogozöse”

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