Links unter Heiden (3)

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Seit letztem Jahr schreibe ich Unter Heiden über Ostdeutschland. Einmal im Monat Mal so mal so erscheint die Kolumne bei theologiestudierende.de (und etwas später hier auf dem Blog). Aber natürlich gibt es noch viel mehr über Ostdeutschland zu lesen. Deshalb möchte ich hier einmal im Monat unregelmäßig Leseempfehlungen aufschreiben: Links unter Heiden.

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‘New Berlin’ or Not, Leipzig Has New Life
Als gebürtiger Dresdner und langjähriger Hallunke habe ich in meinem Herzen keinen Platz mehr für Leipzig. Ganz im Gegenteil offensichtlich zu vielen jungen, kreativen Menschen, die schon vor Monaten Leipzig zum neuen Berlin ausriefen. Katie Engelhart setzt sich in der New York Times mit diesem Hype auseinander, relativiert und kommt zu einem versöhnlichen Fazit. Ihr Artikel beginnt mit: „By 1989, Leipzig stank. The East German industrial hub was said to have the worst air in the country — if not the continent.“ Hier ist wohl eher Halle gemeint, das die Industrieverschmutzung aus Leuna und Bitterfeld noch stärker zu spüren bekam („die graue Diva“). Und Leipzig stinkt noch immer! Aber guter Text.

Oberwiesenthal und Dresden
Zwei weitere englischsprachige Artikel möchte ich Euch gerne empfehlen. Beide stammen aus der Washington Post und sind eigentlich Reiseartikel. Es geht um die Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal und die Weihnachtsmärkte in Dresden. Ich finde immer wieder interessant, wie die Fremdwahrnehmung – hier von Besuchern aus den Staaten – von der Haltung der örtlichen Bevölkerung abweicht. So will mir schon seit Jahr und Tag kein (junger) Dresdner mehr begegnen, der sich in ähnlicher Weise für Striezelmarkt und Frauenkirche begeistern kann.

Kulturkürzung
Es stimmt alles, was in diesem Artikel vom Februar diesen Jahres drin steht. Gerade im Lichte der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Berlin-Umland sollte das nicht vergessen werden. Was aber auch stimmt: die deutsche Kleinstaaterei hat in den Jahrhunderten vor der Reichseinigung dazu geführt, dass jedes kleine Residenzstädtchen sein eigenes Theater oder Opernhaus, seine eigene Kunstsammlung bekam. Diese Vielfalt gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Man muss schon wissen, woher man kommt, um Kürzungen richtig einzuordnen und zu bemerken, auf was für einem großen Schatz wir da eigentlich sitzen.

Landtagswahl in Sachsen
Letzten Sonntag wurde in meinem Heimatfreistaat gewählt, von knapp der Hälfte der Wahlberechtigten. Das Ergebnis ist so wie erwartet ausgefallen, mit dem Bonus, dass es die NPD tatsächlich nicht mehr in den Landtag geschafft hat. Nur, so richtig stolz auf meine sächsischen Mitbürger, dass ihnen das nach zehn Jahren endlich gelungen ist, mag ich nicht sein. Es sind doch dafür viel zu wenige Menschen zur Wahl gegangen und haben dort mit der AfD zwar keine Nazis aber doch Rechtspopulisten neu in das Parlament hinein gewählt. Den ersten x-ten Skandal, den ersten nach der Wahl, hat die AfD gleich am Hals. Siehe hier und hier.

Es bleibt: die NPD hat in den nächsten Jahren endlich keinen Zugriff mehr auf Geld, dass sie bisher zur Finanzierung ihrer Fraktion vom Freistaat bekam. Das ist ganz wichtig, denn so langsam geht die NPD finanztechnisch wirklich an Krücken. Das sächsische Naziproblem hat sich damit aber nicht erledigt.

Natürlich bin ich als Sozialdemokrat (seit 2006 Mitglied) davon gesackt, dass es der sächsischen SPD und Martin Dulig nach gutem Wahlkampf nicht vergönnt war, wenigstens drei, vier Prozent mehr einzufahren. In Sachsen brauchste eben nen langen Atem. Ich hoffe, die SPD verkauft sich in den nun wohl anstehenden Koalitionsverhandlungen teuer, wenn man schon mit der Staatspartei CDU zusammengehen muss. Denkt auch an die Abschaffung der Extremismusklausel!

PS:
Noch im September geht es auch mit Unter Heiden weiter.

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