Erhebet die Herzen!

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Ein Mädchen hielt mir und sechzig Kindern einmal eine Andacht. Es war an einem frühen Morgen noch vor dem Frühstück auf der Hütte Hartha. Sie erzählte vom Staunen angesichts des Morgens, des Aufblühens, des Erwachens der Natur und des Tages. Ganz ohne die großen Substantive, ganz anders also als ich gerade, erzählte sie den Kindern und mir, wie lohnenswert es ist, anzuhalten und zu staunen.

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Mit freundlicher Genehmigung vom Fotografen: Peter Mestel (@pemestel), www.peter-mestel.de

Nur selten in den fast acht Jahren, die seit dieser Morgenandacht vergangen sind, habe ich ihren Ratschlag beherzigt. Viel häufiger starre ich in Bücher und auf Bildschirme, wandern Gesichter und Landschaften und Themen zu schnell an meinem Auge vorüber.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Natur des Staunens in mir nicht so pocht, wie sie es in dem jungen Mädchen getan hat und hoffentlich bis heute tut. Mir hätte man diese Morgenandacht sicher nicht abgenommen.

Seit ein paar Wochen sammle ich Bilder von „oben“. Das heißt, ich schaue häufiger in die Höhe und knipse dann schnell ein Foto von dem, was ich da sehe. Das ist häufig überraschend.

Angefangen habe ich damit in einem Supermarkt. So perfekt viele von ihnen inzwischen ausgestattet sind und auf diese Weise die (vermeintlichen) Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllen, irgendwo hat jede Inszenierung ein Ende: Meistens beim Blick in die Höhe.

joh3Ich habe mir vorgenommen, die „Oben“-Bilder zu sammeln, allein als Erinnerung an Perspektivwechsel oder als Brechung der Inszenierungen unserer Welt. Bei Frau Auge habe ich ein Zitat von Thomas Hirsch-Hüffell gefunden: „Christen verstehen etwas von Liebe und Tod und von der ortlosen Randständigkeit.“

Ich übersetze das mal so: Menschen sind nicht nur von Erde. Und weil Christen das ahnen, suchen sie die Grenzen, haben manchmal – so Gott will – ein wenig weniger Angst vor den Rändern, lassen sich herausheben.

Schau mal nach oben!

 


Dieser Artikel erschien zuerst auf theologiestudierende.de.

2 Kommentare

  1. Das ist ein wirklich schöner Beitrag. Besonders das Gedicht gefällt mir gut von Johannes welches du als Bild eingefügt hat. Lesen lohnt sich!

    • Guter Artikel.
      Es ist wichtig sich einfach mal umzusehen und das zu schätzen was ständig um einen ist, anstatt immer in fernen Welten zu schweben.

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