Der kleine Grieche – Philipp Melanchthon

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„Gott gibt uns Beispiele, die uns anzeigen,
dass wir nicht so sehr durch menschliches Planen geleitet werden,
sondern dass wir von Gott Leitung erbitten müssen.“

Am 16. Februar 1497 wurde Philipp Melanchthon geboren. Nach umfassenden Sanierungsmaßnahmen wird an diesem Wochenende in Wittenberg das Melanchthonhaus wiedereröffnet. Eine Würdigung des „kleinen“ Reformators.

Viel ist in den letzten Jahrhunderten schon über diesen großen reformatorischen Lehrer und Theologen gesagt und geschrieben worden. Seine unheimliche Schaffenskraft führte ihn bereits in jungen Jahren auf das Katheder. Nachdem auch die damals junge Universität Wittenberg eine Professur für Griechisch einrichtete, kam er in die Stadt Luthers und der Reformation. Bekannt ist er in seiner Rolle als Reformator an der Seite Luthers, stets im Hintergrund und doch wortgewaltig, davon zeugen die Loci genauso wie die Confessio Augustana und deren Apologie. Geschätzt wird er darüber hinaus als Praeceptor Germaniae, der der humanistischen Bildung in deutschen Landen zu neuer Blüte verhalf.

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Im Hintergrund bleiben die persönlichen Aspekte seines Lebens. Zeit seines Lebens litt er unter der auffälligen Schwachheit seines Körpers. Nur ca. 1,50 m groß und von zarter Statur, war er den Erschwernissen seines Arbeitspensums allzu oft ausgeliefert. Um so mehr beeindruckt die Fülle seiner Werke. Den Altardienst verweigerte er trotz Befähigung, weil er sich als zu schwach und durch einen Sprachfehler für ungeeignet befand. Diese auf den ersten Blick klägliche Erscheinung widerlegte er jedoch in Sprache und Wort. Seinen außerordentlichen Lehrerfolg in Wittenberg sowie die Verbreitung seiner Lehrbücher und Grammatiken weit über die Grenzen des deutschen Sprachraumes hinaus verdankt er seinem klaren, zum systematischen Denken begabten Geist, den er nicht zu letzt auch in den Dienst der Reformation stellte. Zahlreiche Disputationen zu Religionsfragen der Zeit besuchte er als angesehener und ausgewiesener Experte. Wenngleich sein Auftreten nach dem Tode Luthers als Lordsiegelbewahrer lutherischer Ideen nicht ohne Kritik bleiben konnte, da er sich gerade in Fragen des Abendmahles von seinem Freund und Mitstreiter distanzierte, bleibt seine Bedeutung für die Kirchen der Reformation bestehen.

„Wer Christus hat, hat alles und kann alles.“ – Loci Communes, 1521

Kein anderer Theologe hat wie er zum Bekenntnisstand der Reformation beigetragen. Was Luther zu sagen wagte, formulierte er aus. Was andere harsch forderten, kleidete er später in diplomatische Worte. Im Rückblick auf sein Leben kann man nur von einer sehr paulinischen Interpretation des Satzes aus den Loci „Wer Christus hat, hat alles und kann alles“ auf sein Wirken hin sprechen: das Vermögen des Menschen spiegelt sich in seiner Unzulänglichkeit.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Philipp Melanchthon heute in einem Atemzung mit den beiden anderen „Kirchenvätern“ des Protestantismus – Martin Luther und Friedrich Schleiermacher – genannt wird. Am Tage seines Todes, vor über 450 Jahren, versammelten sich die Studenten vor seinem Haus, um für ihn zu beten. Heute versammeln sich die Theologiestudierenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Melanchthon-Saal ihrer Fakultät, um auf den Spuren des Praeceptors zu wandeln.


Dieser Artikel erschien zuerst im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis (KVV) der Theologischen Fakultät der MLU Halle-Wittenberg im Sommersemester 2010.

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