5 dusslige Fehler in studentischen Vorträgen

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Wer an einer deutschen Universität studiert, kennt das Problem. Viele Seminare sind angefüllt mit schlechten Referaten. Die meisten Dozenten haben sich damit abgefunden: es gibt so viel anderes zu tun, als dass sie sich auch noch um die rhetorischen Schwächen ihrer Studenten kümmern können. Und, dem Herrn sei es geklagt, die meisten Kommilitonen scheinen sich einen Dreck darum zu kümmern, ob ihr Vortrag einigermaßen erträglich ist. Im folgenden die 5 dussligsten Fehler, die in studentischen Vorträgen begangenen werden …

1) Sitzenbleiben
Sitzenbleiben Was Du in der Schule schon nicht wolltest, solltest Du dir auch in der Uni klemmen. Immer wieder kommt es vor, dass Vorträge vom Sitzplatz aus gehalten werden – das ist dusslig, denn es kostet Dich einen Großteil der Aufmerksamkeit deiner Kommilitonen. Wenn die Seminarleitung es aus unerfindlichen Gründen nicht ohnehin erzwingt, solltest Du darauf bestehen, vor dem Seminar stehend deinen Vortrag zu halten.

2) Team
Häufig genug hat ein Seminar mehr Teilnehmer, als Vortragsthemen zu Verfügung stehen. Zumeist behilft sich die Seminarleitung damit, einfach mehrere Kommilitonen einen Vortrag gemeinsam vorbereiten und halten zu lassen. So bekommt dann jeder Teilnehmer seine Seminarvorleistung und/oder (verdienten) Creditpoints.

Prinzipiell spricht nichts dagegen, einen Vortrag mit einem Partner vorzubereiten und vorzutragen. Wird aus dem Tandem aber eine Gruppe, greift leider ein allzu bekanntes Gruppentheorem: TEAMtoll, ein andrer macht’s. Der Andere bist im Zweifel du. Entweder bleibt in der Vorbereitung der Löwenanteil an dir hängen, weil sich ein Teammitglied fein säuberlich raushält, oder beim Vortrag im Seminar fehlt jemand oder kommt zu spät. Das geplante Teamtreffen zur Vorbereitung fällt ohnehin aus, darauf kannst Du dich verlassen. Auch die rechtzeitige Versendung teaminterner Emails scheint für viele Kommilitonen eine unüberwindbare Hürde zu sein. Deshalb, lass Dich gar nicht erst auf eine Vortragsvorbereitung im Team ein. Das gilt besonders dann, wenn Du deine Kommilitonen besonders gut leiden kannst, umso größer ist dann die Ernüchterung.

3) Wortwüste
Leider gibt es, je nach Fakultät, immer noch reichlich Vorträger, die ihre Kommilitonen auf eine Wanderung durch die Wortwüste mitnehmen. Das gilt sowohl für das gesprochene Wort, als auch für die Präsentationen. Wenn ich vor Menschen „auftrete“ und eine Präsentation benutzen möchte, sollte ich mir im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht haben, wie diese aussehen soll.

Generell solltest Du darauf achten, deine Präsentation und deine Worte mit materiellen und immateriellen Bildern anzureichen. Gib deinen Kommilitonen etwas für ihre Ohren und Augen – vielleicht sogar etwas für ihr Herz.

4) Romanautor
Handouts schwellen häufig auf die Größe ganzer Essays oder Romanexposés an. Sicher ist das alles gut gemeint, trotzdem tust Du weder dir noch deinen Zuhörern damit einen Gefallen. Überlange Handouts verschwinden in den Akten und werden kaum noch einmal zu Rate gezogen, damit hast Du das Ziel des ganzen Unterfangens verfehlt. Ein klassisches Handout ist nicht länger als eine A4-Seite und besteht wenn möglich aus Stichpunkten. Gerne kannst Du weiterführende Literatur und Quellen aufführen – die nutzen nämlich bei der Prüfungsvorbereitung. Denk dran, deine Vorbereitung sollte in der Bibliothek stattfinden, dein Handout muss aber keine sein.

5) Knapp unter der Hörschwelle
Wenn Du Fehler Nr. 1 vermeidest, hast Du gute Chancen auch diesem Fehler aus dem Weg zu gehen. Denn wer seinen Vortrag im Stehen hält, hat auch eine viel bessere Redehaltung eingenommen. Trotzdem, einigen Kommilitonen mangelt es schlicht an einer geübten und ausreichend lauten Stimme. Das trifft vor allem immer wieder auf weibliche Kommilitonen zu. Erster Schritt ist auch hier: Achtsamkeit. Wer seine Zuhörer regelmäßig anschaut, wird bemerken, ob er verstanden wird. Zweiter Schritt: Spreche langsamer, deutlicher und gerade so laut, dass es dir zu laut vorkommt. Dritter Schritt: Wenn Du feststellst, dass Du ein wirkliches Problem damit hast, in größeren Räumen vor einer Gruppe zu sprechen, solltest Du – gerade wenn dein zukünftiger Beruf es erfordert – eine Sprechausbildung in Betracht ziehen. Je früher, desto besser.

Fazit
Wenn Du diese 5 dussligen Fehler vermeidest, hast Du gute Chancen, dass dein Vortrag nicht nur ordentlich verpunktet wird, sondern bei deinen Kommilitonen gut ankommt und sie für dein Thema interessiert. Nur so lernen wir alle dann was – und darum sollte es ja eigentlich gehen.

PS: An vielen Fakultäten finden regelmäßig Trainings zum Thema Rhetorik statt. Sei kein Dussel und geh hin, bitte.

4 Kommentare

  1. lustig 😉
    is aber leider wirklich so 🙁

  2. Der gute Tucholsky hatte da auch noch Ratschläge parat:
    http://www.rhetorik.ch/Tucholsky/Schlecht.html

  3. Wie wahr, wie wahr!
    Außerdem ist wohl grundsätzlich vor PowerPoint zu warnen. Zu häufig erlebt man KommilitonInnen, die meinen, mit PPP laufe das Referat quasi von selbst. Folien scheinen manchmal als Gedanken-Parkplätze der Referierenden zu dienen und nicht dem besseren Verständnis aufseiten der Zuhörenden.

  4. Das im Punkt 2 (Team) angeführte Trittbrettfahrerbeispiel kann ich aus meiner eigenen Erfahrung nur bestätigen. Wir hatten das an meiner so gelöst, dass alle Gruppenmitglieder anonym über die Leistung anderer Gruppenmitglieder auf einer Skala von 1 bis 5 abgestimmt hatten. Dieser Abstimmungsbogen ging dann an den Professor. Schöner Beitrag .

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